9 September 2020

Agile Transformation in der Finanzwirtschaft3 min read

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Agilität ist gleichermassen Leadership-Methode und Strukturinstrument und seit Jahren Teil der Managementliteratur. Als Berater und Trainer von Banken und Finanzdienstleistern spricht Nikolay Stoyanov im Interview darüber, welche Voraussetzungen eine erfolgreiche agile Transformation braucht und welche Chancen aus ihr resultieren können.

Wie häufig werden Sie von Unternehmen aus der Banken und Versicherungsbranche auf das Thema Agilität angesprochen?

Auf das Thema Agilität werde ich von Banken und Versicherungen extrem häufig im Vergleich zu Unternehmen aus anderen Branchen angesprochen. Möglicherweise liegt es daran, dass die Finanzbranche sehr stark von Änderungen des Kundenverhaltens und (Weiter-) Entwicklungen in der Technologie betroffen sind.

Was versprechen oder erhoffen sich die Unternehmen von mehr Agilität?

Durch agile Methoden, insbesondere im Projektmanagement, soll die Innovationskraft erhöht werden und die Digitalisierung vorangetrieben werden.

Wie gehen Unternehmen dieses Ziel an? Setzen sie eher auf interne Expertise oder lassen sich Unternehmen von agilen Coaches begleiten?

Es gibt kein einheitliches Rezept, was sich eindeutig empfehlen lässt. Einige Unternehmen führen agile Strukturen sehr radikal und grossflächig ein – mit großen Schulungs- und Beratungsinitiativen, Kauf von Softwarelösungen, Personalrekrutierung. Andere nutzen eher die U-Boot-Taktik. Sie fangen mit kleinen Teams in einzelnen Projekten an, bauen so eigene Expertise auf und entwickeln kontinuierlich ihre Unternehmensstrukturen weiter.

Ein Durchbrechen der Denk- und Handlungsmuster ist unumgänglich

Wo sehen Sie als Berater Denkbarrieren und Widerstände bzw. welche Voraussetzungen müssen für ein Gelingen erfüllt sein?

Das ist eine sehr interessante Frage. Meistens sehen wir die Herausforderungen darin, dass die internen Strukturen in den Unternehmen der Finanzbranche nicht auf Veränderung und Reaktionsfähigkeit, sondern auf Effizienz und Stabilität ausgerichtet sind.

Damit erfordert die agile und im weiteren Sinne auch digitale Transformation fast immer eine dauerhafte Anpassung dieser Strukturen. Damit ist auch ein Durchbrechen der bisher herrschenden Denk- und Handlungsmuster unumgänglich.

Anders gesagt – ein paar Kanban Boards, ein paar Scrum-Schulungen und der Einkauf von Jira sind nicht ausreichend. Jeder einzelne von uns muss auch an seinem Mindset, an seinen Annahmen, Werten und Prinzipien arbeiten und damit zu einer anderen Arbeitskultur beitragen.

Freiräume schaffen und ausprobieren

Was kann mit agilen Methoden und Strukturen verbessert werden? Was nicht?  

Fangen wir mal mit der zweiten Frage an. Was kann man NICHT mit Agilität erreichen? Agilität ist (leider) kein Allheilmittel für die Probleme in einem Unternehmen. Einige der Probleme, die Unternehmen heute haben, werden auch mit Scrum und Holocracy nicht behoben.

Wenn ein Unternehmen z.B. an mangelnder strategischer Ausrichtung oder fehlendem Veränderungs- bzw. Umsetzungswillen leidet, wird das allein durch Scrum, Design Thinking oder Kanban nicht behoben.

Durch agile Methoden können wir aber die Transparenz über Chancen und Probleme erhöhen, die Kundenbindung stärken, die Innovationskraft fördern und die Reaktionsfähigkeit auf unvorhergesehene Ereignisse steigern. Allerdings braucht es Mut und Umsetzungswillen seitens Management und Mitarbeiter.

Wie können Banken und Finanzdienstleister das Thema „locker“ angehen?

Einfach Freiräume schaffen und ausprobieren.

Das Interview erschien zuerst auf Trend Report und wurde von Andreas Schnittker veröffentlicht.

Author(s)

Nikolay Stoyanov

Nikolay Stoyanov is managing director of perXoom GmbH and a long-time trainer and consultant at ibo Beratung und Training. As a consultant he works for banks and financial service providers.

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