«Das Bewerbungsgespräch fand in der Garage statt»

von Mario Frick / 22.11.2018

Bank Frick feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Der Präsident des Verwaltungsrates, Mario Frick, und CEO Edi Wögerer blicken zurück auf zwei Jahrzehnte unternehmerisches Banking. Sie erzählen, weshalb die Unternehmensvision keine Alibiübung sein darf. Zudem verraten sie, wie sie für Finanzintermediäre Mehrwert generieren und warum Blockchain nicht der Wilde Westen sein muss.

CEO von Bank Frick, Edi Wögerer (links), und der Präsident des Verwaltungsrates von Bank Frick, Mario Frick: «Wir packen Projekte rasch an, ohne sie über sieben Hierarchiestufen hinweg bis zur Unkenntlichkeit zu verwässern.»

Bank Frick: In der Branche gilt Bank Frick als europaweit führendes Institut im Bereich Blockchain-Banking. Dennoch reagieren Sie etwas verschnupft, wenn man Bank Frick auf das Thema Blockchain reduziert. Weshalb?

Edi Wögerer: Weil wir viel mehr sind als nur eine Blockchain-Bank. Wir agieren sehr erfolgreich als Verwahrstelle für Fonds, und die Abteilung Fonds und Emissionen unterstützt unsere Kunden mit massgeschneiderten Produkten bei der Beschaffung von Eigen- und Fremdkapital. Wir sind sehr stark im Bereich Zahlungsabwicklung. Zudem sind wir als einzige liechtensteinische Bank im Besitz von sogenannten Acquiring-Lizenzen von Visa und Mastercard und zwar sowohl für Zahlungsdienstleister als auch für deren angeschlossene Shops. Daneben offerieren wir die gesamte Palette an klassischen Bankdienstleistungen und ermöglichen unseren Kunden damit ein praktisches One-Stop-Banking. Sie merken also, woher der leichte Schnupfen rührt [lacht].

Bank Frick sagt von sich selbst, dass sie eine Intermediär-Bank ist. Weshalb der Fokus auf Intermediären statt auf der direkten Ansprache von Endkunden?

Mario Frick: In der Vergangenheit wurden wir – wie alle anderen Banken in Liechtenstein – als «Privatbank» wahrgenommen. In Wirklichkeit waren wir immer schon eine Intermediär-Bank. Wir wollten natürlich möglichst viele gute Kunden, erhielten diese aber nicht über eigene Werbung und eigene Vertriebskanäle, sondern vor allem über die Kooperation mit anderen Finanzintermediären. Zu den Gründern von Bank Frick im Jahr 1998 gehörten eben verschiedene Unternehmen aus der Finanzbranche. Und so haben wir für andere Finanzintermediäre wie Treuhandunternehmen, Versicherungen oder Vermögensverwalter Finanzdienstleistungen erbracht, welche diese für ihre Kunden weiter veredelt haben. Vor einem Jahr haben wir dann unsere Unternehmensvision und -mission geschärft, in denen wir unterstreichen, dass wir Finanzintermediäre bei der erfolgreichen Differenzierung im Markt unterstützen. Das Ganze haben wir in einem Strategiehaus visualisiert, wo unsere Vision, unsere Mission und unser Leitbild kompakt zusammengefasst sind.

Edi Wögerer: Ich möchte anmerken, dass wir letzthin externe Fachleute zu Besuch hatten, welche unser Strategiepapier mit grossem Interesse studiert haben. Deren Ansicht zufolge ist es eher die Ausnahme, dass eine Bank eine so klare Mission für sich formuliert. Wir betrachten das Thema auch nicht als Alibiübung, sondern als klare Richtungsvorgabe. Unser Strategiehaus hängt überall in der Bank aus, und alle Mitarbeitenden – auch Mario Frick und ich – sind aufgefordert, Aufgaben und Projekte daraufhin abzuklopfen, ob sie auf unsere Strategie einzahlen. Tun sie das nicht, brechen wir die Übung ab.

Warum haben Sie sich die Mühe gemacht, für die Bank eine Vision und Mission zu formulieren?

Mario Frick: Wir sind eine ausgesprochen unternehmerische Bank und packen Projekte rasch an, ohne sie über sieben Hierarchiestufen hinweg bis zur Unkenntlichkeit zu verwässern. Das macht uns sehr schnell. Der Nachteil ist, dass man manchmal ein wenig zu schnell losläuft und erst später feststellt, dass die Richtung nicht mehr stimmt. Mit der klaren Vision, uns bei Intermediären als anerkannter Anbieter für modulare digitale Bankdienstleistungen zu positionieren, merken wir jedoch sehr schnell, ob eine Geschäftsidee lediglich opportunistisch ist oder im Einklang mit unserer Strategie steht.

Mario Frick: «Wir unterstreichen in unserer Unternehmensvision, dass wir Finanzintermediäre bei der erfolgreichen Differenzierung im Markt unterstützen.»

Auch wenn es bei Bank Frick um mehr als nur um Blockchain geht, müssen wir das Thema hier doch aufnehmen. Schliesslich kennt man Sie in der Branche als die Blockchain-Bank. Wie haben Sie das geschafft?

Edi Wögerer: Das hängt sicher mit der unternehmerischen DNA von Bank Frick zusammen: der Bereitschaft, etwas auszuprobieren. Und im Fall von Blockchain hat sich die Anstrengung, «first mover» zu sein, auf jeden Fall gelohnt. Vor etwa vier Jahren kamen wir erstmals mit den Themen Blockchain und Kryptowährungen in Berührung. Das haben wir hausintern geprüft und grosses Potenzial erkannt. Die Experten haben wir dann unter anderem aus Kalifornien eingeflogen. Ein junger, sehr begabter Programmierer hat uns entscheidend weitergebracht. Massgebend war, dass wir das Thema nicht isoliert angeschaut, sondern in allen kritischen Abteilungen entsprechendes Know-how aufgebaut haben: im Business Development, in der Kundenbetreuung, im Handel und – ganz wichtig – in der Compliance. So etwas passiert nicht über Nacht. Aber nur wenn wir die allerhöchsten Standards anwenden, können wir das Geschäft auch nachhaltig betreiben.

Wie können Sie höchste Standards versprechen? Die Blockchain-Welt gilt als unregulierter Wilder Westen.

Edi Wögerer: Ganz einfach dadurch, dass wir im Bereich Blockchain-Banking dieselben strengen gesetzlich vorgeschriebenen Massstäbe anwenden wie bei klassischen Finanztransaktionen. Kunden werden vollständig identifiziert, und die Herkunft der Vermögenswerte kann über mehrere Stationen hinweg zurückverfolgt werden – in dieser Beziehung sind Krypto-Assets deutlich transparenter als herkömmliches Geld, auch wenn gerne das Gegenteil behauptet wird. Unternehmen aus der Blockchain- und Fintech-Branche profitieren von einem klaren Alleinstellungsmerkmal, wenn sie mit uns zusammenarbeiten: mehr Anlegersicherheit. Das können sie gegenüber ihren Kunden kommunizieren. Zudem haben unsere Intermediäre die Gewissheit, dass ihr Geschäftsmodell zukunftsfähig ist und eine Regulierung nicht fürchten muss.

An unseren Dienstleistungen Verwahrung und Handel von Krypto-Assets kann man sehr schön aufzeigen, wie das mit unserer Mission zusammengeht. Finanzintermediäre können sich mit diesen Services sehr erfolgreich im Markt differenzieren und ihren krypto-interessierten Kunden einen klaren Mehrwert bieten. Parallel hat unsere Abteilung Fonds und Emissionen für Fondspromotoren die ersten Krypto-Fonds in Europa mitentwickelt. Für diese Fonds agieren wir nun als Verwahrstelle. Unsere Fondsleute haben auch das erste Zertifikat auf Kryptowährungen aufgelegt, und zwar bereits im Sommer 2017, lange bevor das Thema endgültig Fahrt aufnahm.

Der Hype ist ja mittlerweile einer gewissen Ernüchterung gewichen: Kryptowährungen seien heisse Luft, und die Blockchain sei völlig überschätzt. Was entgegnen Sie?

Mario Frick: Wir sind froh, dass der grosse Hype vorbei ist. Was die Blockchain anbelangt, sind wir immer noch am Anfang des Anfangs der Entwicklung, um das auf den Punkt zu bringen. Die Blockchain wird sehr viel mehr sein als nur Kryptowährungen. Zwar wurde unsere Blockchain-Abteilung in der heissen Phase geradezu mit Anfragen überhäuft, der grösste Teil war aber unbrauchbar. 80 Prozent der Anfragen mussten unsere Spezialisten nach einem kurzen Blick auf die eingereichten Unterlagen ablehnen. Weniger als 10 Prozent aller Erstkontakte sind in eine Geschäftsbeziehung gemündet. Sehr viele Kunden haben wir aus der Schweiz, und über 200 Firmenkunden aus dem Crypto Valley in Zug stehen auf unserer Kundenliste. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass Schweizer Banken sich mit dem Thema Blockchain noch schwertun.

Der Vorsprung Liechtensteins hängt auch zusammen mit der progressiveren Finanzmarktaufsicht (FMA) Liechtenstein, die schon vor längerer Zeit ein Regulierungslabor eingerichtet hat. Das Kompetenzteam der FMA befasst sich mit regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Fragestellungen von innovativen Geschäftsmodellen aus den Bereichen Fintech und Blockchain. Die FMA hat richtig erkannt, dass es sich um ein Thema handelt, das grosse Bedeutung erlangen wird und das man mit Vorteil frühzeitig begleitet, ohne aber die flexible Entwicklung abzuwürgen.

Liechtenstein veröffentlichte im Spätsommer 2018 den Entwurf eines Blockchain-Gesetzes und gehört damit zu den Vorreitern in Europa. Wird Ihnen das junge Geschäft nun abgewürgt?

Edi Wögerer: Nein, im Gegenteil! Wir sind der Ansicht, dass es sich beim geplanten Gesetz über auf vertrauenswürdigen Technologien (VT) beruhende Transaktionssysteme (Blockchain-Gesetz; VT-Gesetz; VTG) – auch wenn der Titel ein wenig umständlich klingt – um einen sehr spannenden und guten Entwurf handelt, der den Marktteilnehmern Klarheit und Sicherheit geben wird. Unsere Teams überlegen sich bereits interessante Geschäftsmodelle auf Basis des Blockchain-Gesetzes. Unternehmen, welche im EWR-Mitgliedsland Liechtenstein ihre Basis haben, können dann europaweit aktiv Geschäfte betreiben.

Wir glauben, dass dieser Gesetzesentwurf der liechtensteinischen Regierung in anderen europäischen Ländern als Basis für eigene Gesetzgebungen dienen kann.

Stichwort «Regierung». Sie, Herr Frick, waren 1998, als Bank Frick gegründet wurde, Regierungschef von Liechtenstein. In der Parlamentsdebatte zur Erteilung der Banklizenz wurde moniert, dass die Bank nicht den Namen Frick tragen dürfe, da dies einen «liechtensteinischen Charakter vortäusche», obschon die Bank damals mehrheitlich ausländisch beherrscht war.

Mario Frick: Man muss wissen, dass Ende 1998 zum letzten Mal Banklizenzen vom Parlament bewilligt wurden. Seither ist das in der Hoheit der Regierung. Die genannten Argumente waren überwiegend parteipolitisch motiviert; ich war deswegen nicht einmal verärgert. Das war für die Galerie. Am Ende des Tages haben dann Parlamentarier aus allen Fraktionen die Namenswahl bewilligt. Tatsächlich wurde die Bank von der ersten Stunde an von meinem Vater Kuno strategisch geführt. Von ihm übernahm ich im Jahr 2008 den Vorsitz des Verwaltungsrates. Und auch die Geschäftsführung war stets in Händen von Liechtensteinern – lange Zeit sogar mehrheitlich in den Händen von Mitgliedern der Familie Frick. Als CEO fungierte Jürgen Frick, und die Funktion des CFO wurde von Roland Frick ausgeübt, die beide meine Brüder sind beziehungsweise waren. Nachfolger meines 2014 ermordeten Bruders Jürgen wurde Edi Wögerer, der bereits seit dem Jahr 2000 bei uns ist.

Was bewog Sie damals, sich bei Bank Frick zu bewerben, Herr Wögerer?

Edi Wögerer: Mir lagen damals zwei Angebote vor. Ich hätte als junger Mann bei einer grossen, etablierten Bank als Händler anfangen oder zu Bank Frick gehen können. Ich habe mich schlussendlich für Letztere entschieden. Das Bewerbungsgespräch fand in einer Garage statt – wir sind also ein richtiger Garagenbetrieb. Geleitet wurde das Gespräch vom damaligen Geschäftsleitungsmitglied Roland Frick. Mich reizte es, diese Bank mit damals gerade einmal acht oder neun Mitarbeitenden mitaufbauen zu dürfen. Mein Stellenprofil war etwas vage, aber im weitesten Sinn war ich für die Wertschriften verantwortlich. Zuerst musste man jedoch einen Arbeitsplatz für mich finden. Der einzige Platz, der zur Verfügung stand, war im Keller! Heute sind wir – auf höherem Niveau – in einer ähnlichen Situation: Vor einem Jahr waren wir noch 80 Mitarbeitende, heute sind wir 125. Und wieder sind wir damit beschäftigt, Platz für alle Mitarbeitenden zu finden. Bei uns herrscht dauernd Aufbruchsstimmung, und man muss flexibel bleiben. Leute, die schon heute wissen wollen, wie ihre Tätigkeit in fünf Jahren aussieht, werden bei uns wahrscheinlich nicht glücklich.

Edi Wögerer: «Wir bieten Jobs, die Sie bei anderen Banken nicht finden. Deshalb erhalten wir sehr interessante Bewerbungen von Topleuten aus dem ganzen deutschsprachigen Raum.»

Wo rekrutieren Sie Ihre Mitarbeitenden?

Edi Wögerer: Wir wissen, dass Balzers nicht der Nabel der Welt ist, aber wir bieten Jobs, die Sie bei anderen Banken nicht finden. Aus diesem Grund erhalten wir sehr interessante Bewerbungen von Topleuten aus dem ganzen deutschsprachigen Raum. Abgesehen davon: Zürich, die kleinste Grossstadt der Welt, ist nur eine Fahrtstunde entfernt, nach Mailand oder München dauert die Fahrt gerade einmal zweieinhalb Stunden. Und die Lebensqualität bei uns ist einmalig. Wer gerne wandert oder Wintersport treibt, liebt Balzers und unsere Region.

Aber damit es hier kein Missverständnis gibt: Wir suchen selbstverständlich Mitarbeitende, die ihre berufliche Zukunft auf fünf oder mehr Jahre bei uns sehen. Wir möchten auch während der nächsten 20 Jahre ein verlässlicher Partner sein, für unsere Mitarbeitenden und für unsere Kunden. Deshalb gilt: Auch wenn wir mit hohem Tempo unterwegs sind, bauen wir auf nachhaltige Geschäftsmodelle – prozessual, finanziell und regulatorisch.

Mario Frick: Das kann ich als Vertreter des Hauptaktionärs, der Kuno Frick Familienstiftung, bestätigen. Obwohl ich Balzers natürlich für den Nabel der Welt halte [lacht]. Natürlich erwarten wir – ebenso wie unser Minderheitsaktionär Net1 – einen schönen Gewinn aus der Bank. Aber wir sind nicht auf kurzfristige Gewinnmaximierung aus. Die Bank trägt unseren Namen, und die Familie weiss um ihre gesellschaftliche Verantwortung. Wenn es der Bank finanziell gut geht, haben wir den nötigen Spielraum für künftige Investitionen. Das ist eine einfache Rechnung.

Dieses Jahr investieren wir mehr als drei Millionen Schweizer Franken in eine zukunftsfähige IT-Infrastruktur. Zudem haben wir unseren Personalbestand kräftig ausgebaut, um unsere Kunden besser bedienen und unsere Ziele rascher erreichen zu können. Denn mit Bank Frick wollen wir künftig noch stärker als Premiumanbieter am Markt auftreten.

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Dr. Mario Frick

Dr. Mario Frick präsidiert seit 2008 den Verwaltungsrat der von der Familie Frick geführten, unabhängigen liechtensteinischen Bank. Mario Frick ist Rechtsanwalt in eigener Kanzlei und Miteigentümer eines Treuhandunternehmens. Von 1993 bis 2001 war er Regierungschef des Fürstentums Liechtenstein sowie von 2005 bis 2014 Präsident der Liechtensteinischen Rechtsanwaltskammer.



Edi Wögerer

Edi Wögerer führt seit 2014 das operative Geschäft von Bank Frick und steht dem Ressort Bankadministration und Informatik vor. Seit 2008 ist er Mitglied der Geschäftsleitung von Bank Frick. Edi Wögerer ist seit dem Jahr 2000 für die Bank tätig und ist Mitglied des Vorstands des Liechtensteinischen Bankenverbandes.

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