12 February 2020

«Das Interesse an der Emission von tokenisierten Wertpapieren steigt»6 min read

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Dorothea Rohlfing leitet seit Juni 2018 die Gruppe Regulierungslabor/Finanzinnovation im Stab der Geschäftsleitung der Finanzmarktaufsicht (FMA) Liechtenstein. Das Regulierungslabor ist das interne Kompetenzteam der FMA für neue Finanztechnologien. Zu den Aufgaben des Teams zählt unter anderem der Austausch mit Start-ups und etablierten Finanzdienstleistern über Themen, die neue Finanztechnologien betreffen. An der Schnittstelle zwischen Regulierung und Markt ist das Team somit Ansprechpartner für etablierte Finanzdienstleister und Unternehmen aus dem Fintech-Bereich. Im Interview spricht Dorothea Rohlfing über die Herausforderungen in ihrem Alltag und über die Auswirkungen des TVTG.

Das Regulierungslabor wurde 2016 gegründet. Weshalb?

In den Jahren 2015 und 2016 wurde die FMA mit den ersten Anfragen hinsichtlich Kryptowährungen und Blockchain konfrontiert. Da diese oft Berührungspunkte mit mehreren Aufsichtsbereichen hatten, trafen wir uns regelmässig zu Diskussionen. Das war die Geburtsstunde des Regulierungslabors. Die Anfragen nahmen in der Folge immer mehr zu. Bald wurde das Regulierungslabor auch Teil von Impuls Liechtenstein, dem Innovationsprogramm der Regierung.

2018 haben wir das Regulierungslabor dann neu organisiert und als eigene Organisationseinheit in der FMA aufgestellt. Seither sind unsere Aufgaben noch vielfältiger geworden. Durch das TVTG, das sogenannte Blockchaingesetz, sind wir inzwischen zuständig für die Registrierung und die anlassbezogene Aufsicht im Fintech-Bereich.

Wir sind aber auch weiterhin Ansprechpartner bei allen Fintech-Fragen, und wir bringen uns in den Dialog in der Liechtensteiner Fintech-Szene ein.

Gemäss Leitbild sorgt die FMA «für die Stabilität und die Glaubwürdigkeit des Finanzmarktes, den Schutz der Kunden sowie die Vermeidung und Bekämpfung von Missbräuchen.» Sind diese Ziele dank immer neuer Geschäftsmodelle und technischer Lösungen zunehmend schwieriger einzuhalten?

Finanztechnologien stellen für Liechtenstein eine Chance dar. Die FMA verfolgt den Ansatz, die Regulierung so zu nutzen und auszugestalten, dass etablierte Finanzdienstleister und neue Unternehmen ihre Geschäftsmodelle realisieren können. Allerdings beschäftigt sich die FMA als Aufsichtsbehörde nicht nur mit den Chancen, sondern auch mit den Risiken technologiebasierter Geschäftsmodelle. Wir müssen dafür sorgen, dass der Kundenschutz gewährleistet ist, das Vertrauen in den Finanzmarkt erhalten bleibt und die Stabilität des Finanzsystems nicht gefährdet wird. Das TVTG schafft hier einen verbindlichen Rechtsrahmen in einem Bereich, der vorher nicht reguliert war. Zudem gilt bisheriges Recht – auch wenn es nicht immer auf innovative Geschäftsmodelle ausgerichtet ist – natürlich auch für Fintechs.

Bleiben wir beim TVTG. Rechnen Sie damit, dass durch das Gesetz noch mehr Arbeit auf Sie zukommt?

Ja, das TVTG überträgt der FMA die Registrierung und anlassbezogene Aufsicht über zehn Dienstleister, die ihre Dienstleistungen auf VT-Systemen anbieten. Der FMA obliegt zudem die Sorgfaltspflichtaufsicht über sechs dieser VT-Dienstleister. Dadurch werden wir natürlich mehr zu tun haben. Schon in der Umsetzung hat uns das TVTG auf Trab gehalten. Wir haben per 1. Januar 2020 mehrere Wegleitungen erlassen, welche unter anderem die Voraussetzungen für die Registrierung konkretisieren. Ausserdem haben wir die entsprechenden Antragsformulare sowie weitergehende Informationen für Dienstleister im Fintech-Bereich auf unserer Website publiziert.

Die FMA hat es üblicherweise mit traditionellen Finanzintermediären zu tun. Stellen Sie einen Unterschied fest zwischen traditionellen Bankern und der neuen Generation von Fintech-Unternehmern?

Die Leute im Fintech-Bereich haben oft einen anderen Hintergrund als die traditionellen Banker. Fintech-Leute kommen eher von der technologischen Seite. Das widerspiegelt sich auch im Umgang, der oft etwas lockerer ist. Das heisst aber nicht, dass Fintech-Banker weniger professionell sind. Vielleicht wird sich das mit der Zeit auch angleichen – schliesslich sind ja, wie in den Zeitungen zu lesen war, bei Bank Frick seit Kurzem auch Sneakers erlaubt.

Wie schaffen Sie es, mit der technischen Entwicklung mitzuhalten und die immer neuen Geschäftsmodelle zu verstehen?

Das Regulierungslabor beschäftigt sich intensiv mit neuen technologischen Entwicklungen. Wir bilden uns laufend weiter und stehen in engem Austausch mit dem Markt. Wichtig ist aber auch, dass wir unser Wissen innerhalb der FMA weitergeben. Schliesslich muss beispielsweise auch ein Bankenaufseher über neue Entwicklungen Bescheid wissen – der digitale Wandel betrifft uns alle. Wir organisieren deshalb Weiterbildungsangebote und schulen auch Mitarbeitende, die in anderen Bereichen tätig sind.

Für Blockchain-spezifisches Fachwissen gibt es bislang kein breites Ausbildungsangebot. Merken Sie das bei der Rekrutierung neuer Mitarbeitender?

Bislang gibt es tatsächlich kein breites Ausbildungsangebot. Das heisst jedoch nicht, dass wir keine Mitarbeitenden mit dem notwendigen Fachwissen finden. Diese Leute haben sich ihr Wissen oft nicht in einem formalisierten Lehrgang angeeignet. Zudem wächst das Angebot – auch an formalisierten Lehrgängen – stetig. Die Universität Liechtenstein bietet beispielsweise regelmässig den Zertifikatsstudiengang Blockchain und FinTech an, welchen auch Mitarbeitende der FMA bereits besucht haben. Ausserdem braucht es in der Aufsicht ja nicht nur Blockchain-spezifisches Fachwissen, sondern beispielsweise auch Kenntnisse im Finanzmarkt- und Verwaltungsrecht.

«Time to market» ist ein grosses Thema. Wie lange dauert es im Schnitt von der ersten Kontaktaufnahme mit Ihnen bis hin zur Bewilligungserteilung? Und wie sieht der Prozess aus?

Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen Geschäftsmodellen, die eine Registrierung nach TVTG benötigen, und solchen, die unter die altbekannte Finanzmarktgesetzgebung fallen, wo also beispielsweise eine Bewilligung als Bank oder Zahlungsdienstleister eingeholt werden muss. Jedes Gesetz sieht andere Fristen vor, innerhalb derer die FMA einen Antrag bearbeiten muss. Für eine Registrierung nach TVTG beträgt eine solche Frist drei Monate. Sie fängt an zu laufen, wenn der entsprechende Antrag vollständig ist. Die Zeit, die bis zur Bewilligung oder Registrierung durch die FMA vergeht, hängt auch massgeblich von der Qualität des eingereichten Antrages ab.

Wie hoch ist die Erfolgsquote der Anfragen?

Das kommt darauf an, was man unter einer Anfrage und unter deren Erfolg versteht. Oftmals führen wir schon in einem frühen Stadium Gespräche mit Unternehmen, die gegebenenfalls eine spezialgesetzliche Bewilligung anstreben. Manchmal mit dem Resultat, dass gar keine Bewilligung, sondern beispielsweise nur eine Registrierung nach TVTG benötigt wird. Oder die Interessenten beschliessen im Lauf der Gespräche, ihr Geschäftsmodell anzupassen oder anders auszurichten. Eine Quote können wir deshalb nicht ausweisen. Wenn aber tatsächlich eine Bewilligung beantragt wird, so hat sich der Antragsteller dies meist gut überlegt, viel Zeit hinein investiert und die Anforderungen vorher genau abgeklärt.

Das Regulierungslabor startete 2016 und bearbeitete im ersten Jahr 17 Anfragen. 2017 waren es bereits 98 und 2018 derer 255. Können Sie schon etwas für das Jahr 2019 sagen?

Im Jahr 2019 gingen bei der FMA 181 Anfragen mit Bezug auf Blockchain oder Kryptowährungen ein.

Welche Geschäftsmodelle bilden den grössten Teil der Anfragen?

Das ist schwer zu sagen und ändert sich immer wieder. Im letzten Jahr konnten wir aber beobachten, dass die Anfragen im Bereich der ICOs, also der Initial Coin Offerings, im Vergleich zum Vorjahr markant abnahmen. Die Marktteilnehmer zeigten dafür mehr Interesse an Handelsplätzen für Kryptowährungen sowie an Wechseldienstleistungen und der Emission von tokenisierten Wertpapieren.

Das Interview führte Matthias Willi für Bank Frick.

Author(s)

Dorothea Rohlfing

Dorothea Rohlfing has been Head of the Regulatory Laboratory/Financial Innovation Group in the staff of the Executive Board of the Financial Market Authority Liechtenstein since June 2018. The Liechtenstein citizen studied law at the University of Zurich, completed an internship at the FMA, and then began her career as a legal specialist in the banking sector.

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