5 February 2020

Der nächste Schritt im Tokentum3 min read

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In Liechtenstein wurde der erste tokenisierte EU-Fonds aufgesetzt. Bank Frick agiert hier sowohl als Verwahr- als auch Zahlstelle und hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Autorisierung gesprochen wurde. Wirtschaft Regional sprach mit Raphael Haldner, Leiter Fund and Capital Markets über das Pionierprojekt.

Im vergangenen November drang die Blockchain – praktisch unbemerkt von der Öffentlichkeit – in einen weiteren Wirtschaftsbereich vor, welcher bislang vor der neuen Technologie noch nicht angetastet wurde. So gab die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein grünes Licht für den «Aargos Funds Sicav» – einen voll regulierten, liechtensteinischen Alternativen Investmentfonds (AIF), bei welchem man sich die Fondsanteile über einen Token ausgeben lassen kann. Durch diese Tokenisierung werden Werte digital abgebildet, einschliesslich der in diesem Wert enthaltenen Rechte und Pflichten. «Es ist der erste seiner Art in Europa», erklärt Raphael Haldner von Bank Frick. Das Finanzinstitut widmet sich bereits seit Längerem der Blockchain-Technologie und den dazugehörenden Geschäftsfeldern. Umso stolzer ist man in Balzers deshalb darauf, dass man bei diesem Pionierprojekt federführend dabei war. Beim «Aargos Fonds», welcher von der Ahaed Wealth Management Solutions aus Vaduz verwaltet wird, handelt es sich um einen Fonds, welcher sich ausschliesslich an professionelle Anleger richtet. Der Investitionsschwerpunkt richtet sich vorwiegend auf Immobilien.

Anteilsregister in Echtzeit wird möglich

Die Bank Frick war es dann auch, welche neben den Verwahrstellenaufgaben für den neuen Fonds auch die Funktion des Transfer Agents übernahm und nach wie vor übernimmt. «Unsere Aufgabe ist es, die Token zu erzeugen und auszugeben. Ausserdem übernehmen wir die damit zusammenhängende Registerführung», erklärt Raphael Haldner. Er ist bei Bank Frick als «Head of Fund & Capital Markets» verantwortlich für die Umsetzung des Projektes. Beim heutigen, klassischen Fondsgeschäft läuft die Abwicklung der Fondsanteile meist nicht direkt zwischen dem Anleger und dem Fondsverwalter ab, sondern wird durch eine zwischengeschaltete Bank übernommen. Gleichzeitig gebe es bei Fonds, welche vor allem in illiquiden Investments anlegen, oft lange Rückgabefristen für Anteile. «Das wird sich durch tokenisierte Fonds ändern», ist Haldner überzeugt.

So werde einerseits durch Smart Contracts – also intelligente, digitale Verträge auf Basis der BlockchainTechnologie – ein in Echtzeit geführtes Anteilsregister möglich. «Das macht die Verwaltungsschritte deutlich einfacher und automatisierter, was wiederum zu tieferen Kosten führt.» Ausserdem erklärt Haldner, dass gerade in Zukunft Fondsanteile, also der Token, auch direkt zwischen Anlegern übertragen werden können und sie sich damit den Weg über den Fonds sparen können. Dem ist allerdings, wie beim Emissionsprozess auch, ein Identifzierungsprozess vorausgesetzt. «Wir müssen technisch sicherstellen können, dass der Token nur in das Eigentum von verifizierten und zugelassenen Anlegern übergehen kann», erklärt Haldner. Im Fall des «Aargos Funds» muss deshalb vorab geprüft werden, ob der Token an einen professionellen Anleger ausgegeben oder übertragen wird. Dieses Prozess zur Identifkation, bei Bank Frick spricht man auch vom «Onboarding», übernimmt in diesem Fall das liechtensteinische Finanzinstitut selbst. Derzeit fehlt es an der nötigen Infrastruktur wie regulierten und lizensierten Handels- oder Börsenplätzen. Das muss aber nicht so bleiben: Wohl noch in diesem Jahr dürfte die «SIX Digital Exchange», kurz SDX, ihren Betrieb aufnehmen. Die Tochter der Schweizer Börsenbetreiberin SIX könnte dann den Identifkationsprozess sowie die nötige Handelsinfrastruktur zur Verfügung stellen.

Derzeit braucht es noch klassische Währungen für den Token-Kauf

«Hier sehen wir den zweiten grossen Vorteil», erklärt Haldner. Dank des direkten Handels mit Token würde auch die Liquidität solcher Anlagen deutlich erhöht. «Wenn ich am Sonntagnachmittag ein paar Token verkaufen möchte, kann ich das in Zukunft machen.» Um den Token zu erwerben, sind aber nach wie vor die klassischen Währungen nötig – also Franken, Euro oder Dollar. Es werde dereinst sicher auch mit Kryptowährungen möglich sein, doch so weit sei man momentan noch nicht. Dass es so weit kommen wird, daran hat Haldner keine Zweifel. Ebensowenig, dass sich die tokensierten Fonds nicht durchsetzen könnten. «Wir haben weitere Anfragen, drei weitere konkrete Projekte laufen bereits.» Liechtenstein dürfte in der Weiterentwicklung der Tokenökonomie also weiterhin eine Vorreiterrolle spielen.

Das Interview wurde von Stephan Agnolazza-Hoop geführt und erschien ursprünglich am 24. Januar 2020 in der Printausgabe des Wirtschaft Regional.

Author(s)

Raphael Haldner

As Head of Fund and Capital Markets, Raphael Haldner is responsible for all fund services for professional market participants.

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