«Angst vor neuen Technologien kann hinderlich sein»

von Hubert Büchel / 22.5.2018

In einem Interview mit dem Onlinemagazin BTC-ECHO erklärte Hubert Büchel, weshalb andere Banken der Blockchain-Technologie noch skeptisch gegenüber stehen, eine Bank für die Verwahrung von Kryptoassets ideal ist und warum nicht jede Exchange Security-Tokens handeln kann.

Verwahrstelle für Krypto-Assets

BTC-ECHO: Herr Büchel, können Sie uns erklären, was unter einer Verwahrstelle für Krypto-Assets genau zu verstehen ist?

Hubert Büchel: Ähnlich wie beim traditionellen Banking geht es grundsätzlich darum, Vermögenswerte zu verwahren. Während die Menschheit allerdings über Jahrtausende gelernt hat, analoge Werte und Risiken einzuschätzen, stellen uns die rein digitalen Krypto-Assets vor neue Herausforderungen. So können sie schlimmstenfalls unwiederbringlich verlorengehen. Herkömmliche Ansätze konzentrieren sich vor allem auf das Absichern von natürlichen Risiken, Unfällen oder unerlaubtem Zugriff. Bank Frick verfügt über weltweit einmalige Kompetenzen, indem wir nicht nur die bekannten Risiken beherrschbar machen, sondern darüber hinaus auch politischen Risiken begegnen. Unsere Kunden haben es dafür einfach: Die gehandelten Assets werden wie eine gewöhnliche Börsentransaktion über das Depot bzw. die Konten verbucht.

Welche Sicherheitsvorkehrungen treffen Sie als Bank für Krypto-Assets?

Sicherheit bedeutet die Integrität der Private Keys um jeden Preis und die Begrenzung des Zugangs soweit wie möglich. Die Integrität sichern wir dabei mittels Geo-Redundanz. Die Einschränkung des Zugangs geschieht zulasten der Verfügbarkeit, reduziert die Risiken jedoch auf ein Minimum. Technisch verunmöglichen wir den Fernzugriff durch permanente physische Isolierung und mehrfache Verschlüsselung. Transaktionen finden nur in einem hohen Vertrauensumfeld statt und erfordern mehrere Personen. Zudem besitzen wir ein sehr gutes Monitoring-System und können auf Änderungen schnell reagieren.

Ein gewaltiges Potenzial

Was halten Sie von der Skepsis anderer Banken?

Die Skepsis anderer Marktteilnehmer teilen wir nicht. Was wir sagen können, ist: Das große Interesse der Investoren sowie die stetig wachsenden Anwendungsfälle der Kerntechnologie dahinter bezeugen das gewaltige Potenzial eines gerade entstehenden Marktes — insbesondere für regulierte Produkte und Dienstleistungen auf der Blockchain, welche wir als Bank jetzt schon anbieten. Natürlich haben wir demgegenüber Verständnis, dass man solchen Technologiesprüngen teilweise «vorsichtig» entgegensieht.

Welche Projekte plant die Bank Frick im Krypto-Asset Bereich?

Aktuell geniesst das Thema Tokenisierung von klassischen Vermögenswerten bei Bank Frick viel Aufmerksamkeit. Ein Token stellt dabei den Wert der zugrundeliegenden Assets dar. Hier besteht die Schwierigkeit aktuell noch im Handel. Da es sich um Security-Tokens handelt, ist die Handelbarkeit nur über entsprechende Anbieter möglich, die hierzu befugt sind. Wir sind darum sehr gespannt, wie sich der Markt der Exchanges und Broker in Zukunft verändern wird. […] Unser Fokus richtet sich hier auf die Entwicklung von AlF-Fonds und so haben wir mit dem Postera Fund den weltweit ersten Kryptofonds mitentwickelt, der nach europäischem Recht gestaltet ist. Ebenso interessiert sich unser Payment Service Provider Team natürlich für die Optimierung von Bezahllösungen auf Basis der Blockchain-Technologie. Daneben gibt es weitere Entwicklungen und Möglichkeiten, die wir laufend prüfen und eng verfolgen — zu denen wir uns jetzt aber aus Wettkampfgründen nicht äußern wollen.

Zusätzlicher Schub

Was hat sich für Bank Frick geändert, seitdem die Nachricht veröffentlicht wurde, dass der Postera Fonds von der FMA zugelassen wird?

Wir haben schon vor Erhalt der ersten Bewilligung enorm viel Anfragen erhalten. Insbesondere in den Bereichen Blockchain-Unternehmen, ICOs und Funds. Die Meldung hat dem Ganzen natürlich nochmals zusätzlichen Schub verliehen und die Marke «Bank Frick» weiter in der Kryptoszene verbreitet und gefestigt.

Was halten Sie von der Arbeit der FMA bisher? Was würden Sie sich von den liechtensteinischen Behörden in Bezug auf Regulierung wünschen?

Den Austausch mit der Finanzmarktaufsicht dürfen wir durchwegs als kooperativ, zielführend und wertvoll bezeichnen. Die FMA hat in kurzer Zeit ein enormes Wissen aufbauen und uns somit maßgeblich in der Realisierung unserer Vorhaben unterstützen können. Durch das von Regierungschef Adrian Hasler angekündigte Blockchain-Gesetz erwarten wir grundsätzlich eine noch höhere Rechtssicherheit — gerade in Bezug auf neue Geschäftsmodelle. Es bestätigt unsere Strategie und das begrüßen wir natürlich. Zugleich zeigt sich Liechtenstein dadurch als Vorreiter im europäischen Umfeld und wir möchten helfen, diese Rolle zu etablieren.

Das Interview erschien ursprünglich am 6. Mai 2018 auf BTC-ECHO.

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Hubert Büchel

Hubert Büchel ist seit 2015 Mitglied der Geschäftsleitung von Bank Frick und verantwortet das Ressort Private und Institutionelle Kunden. Er fungiert zudem als Non-executive Director bei unserer Niederlassung in London. Seine Karriere bei Bank Frick begann er 2010 als Leiter Private Banking.

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