Effekte einer Kryptoregulierung7 min read

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Nach dem Kryptowinter und der damit verbundenen Marktbereinigung scheinen die Wild-West-Zeiten endgültig vorbei zu sein. Immer mehr Länder arbeiten an rechtlichen Rahmenbedingungen und überbieten sich gegenwärtig mit Vorschlägen. Hinzukommt der Ruf nach zentralen Akteuren, die für zusätzliche Sicherheit sorgen. Marktteilnehmer wie institutionelle Investoren profitieren von dieser Entwicklung.

Kryptowährungen und digitale Token werden bisweilen oft kritisch beäugt. Dies betrifft sowohl sogenannte Token-Offerings, also unter anderem Initial Coin Offerings, bei denen mittels Crowdfunding Gelder von Anlegern ohne jegliche Regulierung eingesammelt werden, als auch den allgemeinen Handel mit dieser digitalen Anlageklasse. Dabei ist die Kritik zum Teil gerechtfertigt. So gab es bislang nämlich kein genügend reguliertes Umfeld, um digitale Vermögenswerte sicher zu handeln oder Kapitalmarkttransaktionen durchzuführen. Besonders für institutionelle Investoren war dies ein Hemmnis, da diese aufgrund rechtlicher Vorschriften jene Token weder handeln, noch an Token-Offerings teilnehmen konnten.

Vor diesem Hintergrund ist die Regulierung des Handels mit Kryptowährungen und digitalen Token ein Muss, denn sie schafft Rechtssicherheit, wovon sowohl private Anleger als auch professionelle Investoren gleichermassen profitieren. Situationen, in welchen Unternehmen mit einem fragwürdigen Geschäftsmodell durch Token-Offerings – ohne externe Prüfung – Gelder einsammeln konnten, sorgten für einen erheblichen Vertrauensverlust am Markt. Ein Mindestmass an Standards – wie man es aus der klassischen Bankenwelt kennt – ist daher erforderlich, um auch institutionellen Investoren den Zugang zu dieser zukunftsweisenden Asset-Klasse zu öffnen. Dazu zählen Standards wie Know-your-Customer (KYC), Source of Funds (SoF) oder Anti-Money Laundering (AML), die in der klassischen Bankenwelt Normalität sind.

Anleger sollten bei Token-Offerings Anspruch und Gewährleistung darauf haben, dass es sich um ein seriöses Geschäftsmodell des Unternehmens handelt und dass das Geld bzw. die Token nicht aus dubiosen Quellen stammen und sicher verwahrt werden. Anleger erwarten heutzutage, dass auch bei virtuellen Börsengängen ein Wertpapierprospekt erstellt wird, der von Aufsichtsbehörden wie der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) letztlich gebilligt wird. Auch der allgemeine Handel mit Kryptowährungen und digitalen Token benötigt einen regulierten Rahmen, um das Potenzial dieser Anlageklasse künftig vollkommen auszuspielen.

Wettstreit über Regulatorik beginnt

Seit geraumer Zeit kommt jedoch Bewegung in diesen Markt, da ein regelrechter Wettstreit der Regulatorik ausgelöst wurde – wenngleich die Geschwindigkeit, mit der neue Vorschriften vorangetrieben werden, erheblich variiert. Federführend sind hier folgende Länder: Liechtenstein, die Schweiz, Singapur, aber auch Deutschland und Malta. Immer mehr Standards – KYC, SoF, AML und weitere – halten Einzug bei den bislang nicht regulierten Kryptobörsen, sodass sich ein sicherer rechtlicher Rahmen für Transaktionen und den Handel herauskristallisiert.

Wenn zum Beispiel digitale Token oder Kryptowährungen in gängige FIAT-Währungen umgetauscht werden, ist eine Bank nötig, die über entsprechende Compliancerichtlinien verfügt. Hier ist der Markt aktuell auf sehr wenige Banken angewiesen – Bank Frick aus Liechtenstein oder die Silvergate Bank aus den USA gehören dabei zu den Vorreitern der Branche und bieten ihren Kunden Services im Bereich Blockchain-Banking. Die Marktadaption klassischer Finanzdienstleister mag für einige im Gegensatz zu den ursprünglichen Tugenden – dezentral, unabhängig, selbstverantwortlich – der Blockchain stehen, doch wird der Ruf nach Intermediären immer lauter, welche den Handel und die Verwahrung digitaler Assets sowie die Abwicklung von Transaktionen gewährleisten.

Zwar wachsen heutige Generationen mit der Blockchain-Thematik auf und werden mit ihren digitalen Vermögenswerten später möglicherweise eigenverantwortlich umgehen, doch spielt ein zentraler Intermediär für die Mehrheit heutzutage eine entscheidende Rolle. Ein Tippfehler bei der IBAN im Zuge einer Überweisung lässt sich zeitnah durch den Kontakt zur Bank beheben, werden hingegen Krypto-Assets an ein falsches Wallet transferiert, ist die Transaktion nicht mehr umkehrbar – die Rolle des Intermediärs bleibt damit relevant, auch wenn sich das Aufgabenfeld verschiebt.

Die Verwahrung ist ebenfalls ein Thema, mit dem sich Banken und Finanzintermediäre intensiv beschäftigen müssen – auch wenn es hier noch keine Mindestanforderungen gibt. Banken, die eine Verwahrfunktion für digitale Assets wie Kryptowährungen und Token übernehmen, sind derzeit die höchste Instanz an Sicherheit, die es gibt. Zwar bieten auch private Unternehmen eine solche Verwahrung an, aufgrund ihrer Firmenstruktur jedoch nur mit einem Eigenkapital von 25’000 Euro (in Deutschland) – für institutionelle Investoren ist dies nicht akzeptabel, weshalb Banken hier eingreifen müssen. Insgesamt bedarf es dabei einer technologischen und regulatorischen Übereinstimmung, welche dieselben Anforderungen sicherstellt, die Investoren von Zentralverwahrern aus dem klassischen Bankengeschäft gewohnt sind.

Harmonisierung der regulatorischen Vorschriften wünschenswert

Mittelfristig wird es erste verschiedene regulatorische Rahmenbedingungen geben, an welchen sich Aufsichtsbehörden und Unternehmen orientieren können, um den Handel digitaler Assets für alle Beteiligten zu professionalisieren und zu vereinfachen. Dennoch sollte das Ziel sein, eine globale, einheitliche Linie zu finden, die es Marktteilnehmern erlaubt, ihre Dienstleistungen weltweit mit einem regulatorischen Coverage anbieten zu können. Dabei wäre eine Harmonisierung des bereits bestehenden regulatorischen Daches mit den neuen technologischen Möglichkeiten wünschenswert, welche nicht nur die starre Übertragung der geltenden Regeln – beispielsweise aus dem Wertpapierrecht – auf die neue digitale Asset-Klasse zur Folge hat. Auch hier zeigen sich Trends, die von Land zu Land unterschiedlich schnell angegangen werden. Vorreiter ist abermals Liechtenstein, und das Land setzt mit dem sogenannten Blockchain-Gesetz neue Massstäbe.

Handelsplattformen reagieren zunehmend auf regulatorische Massnahmen

Nicht nur regulatorische Rahmenbedingungen ändern sich, sondern auch Kryptobörsen und Broker, die sich auf den Handel mit professionellen und regulierten Kunden spezialisiert haben und das daraus entstehende Potenzial für die klassische Investmentbankingwelt sehen.

Traditionelle Banken, Börsen, aber auch Asset-Manager, welche sich nicht auf die neuen Entwicklungen und Trends im Blockchain-Banking einstellen, könnten in der Zukunft erhebliche Probleme bekommen. Natürlich wird es immer Banken und Finanzintermediäre geben, aber ihr Dienstleistungsangebot muss und wird sich verändern, denn nur so können diese auf das veränderte Nachfrageverhalten der Kunden erfolgreich reagieren. Konkret verändert sich unter anderem die Art und Weise, wie Menschen mit Finanzthemen umgehen und agieren. Mittlerweile wird deutlich selbstbestimmter gehandelt, verwahrt und Geld überwiesen. Fiat-Währungen wie der Euro oder der US-Dollar sind nicht mehr zwangsläufig nötig, und weitere digitale Währungen werden folgen. Erweitern Banken dabei ihr Geschäftsmodell und partizipieren an den Veränderungen, können sie von jener Technologie in Zukunft stark profitieren.

Neue Nachfragewelle

Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob Kryptowährungen – oder die Blockchain-Technologie – überleben, sondern wann es zu einer neuen Nachfragewelle kommt. Dies lässt sich bereits jetzt genauer eingrenzen, denn sobald eine ausreichende Rechtssicherheit herrscht, wird der Markt weiter wachsen. Banken und Dienstleister arbeiten bereits jetzt an neuen Geschäftsmodellen und Projekten.

Die Tokenisierung von Assets – sogenannte Asset-Backed-Token, Security-Token oder Real-Estate-Token als Alternative zur bestehenden Form der klassischen Schuldverschreibungen – sind bereits am Markt vertreten. Es bleibt daher nur abzuwarten, welchen Marktanteil sie erreichen. Schon heute gibt es Strukturen, welche die Anlageklasse der Aktien- oder Indexfonds abbilden und Token-basierte, aktiv gemanagte Portfolios ermöglichen. Hier kann sich auch in Zukunft noch einiges entwickeln, beispielsweise durch den Einbezug sogenannter Non-Fungible-Token, welchen Gemälde oder Oldtimer zugrunde liegen und die eine weitere Diversifikation der Portfolios erlauben. Der Vorstoss zeigt lediglich die Spitze der neuen, kreativen Anlagemöglichkeiten, welche Anlegern ermöglicht, einfacher, schneller und kostengünstiger in neue Werte zu investieren, die bis dato verschlossen waren.

Brücke zwischen klassischer und Kryptofinanzwelt

Immer mehr klassische Finanzintermediäre setzen sich mit der Blockchain-Technologie auseinander und bieten ihren Kunden nun Zugang zu Krypto-Assets – diese Entwicklung wird sich weiter fortsetzen, insbesondere, wenn sich Security-Token in einem rechtlich sicheren Rahmen handeln lassen. Da sich der Anteil digitaler Vermögenswerte wie Token aktuell in Relation zu klassischen Assets under Management (AuM) noch im Promillebereich bewegt, lässt sich vorausahnen, welches enorme Potenzial in diesem neuen Geschäftsbereich liegt und darauf wartet, entdeckt zu werden.

DLT Markets leistet Pionierarbeit

Um die Professionalisierung weiter voranzutreiben und den Markt für Investoren zu öffnen, bedarf es eines regulierten Handelsplatzes für digitale Assets, wie ihn die DLT Markets AG entwickelt, ein 2019 gegründetes Spin-off von Bank Frick. Die von DLT Markets entwickelte Plattform ermöglicht institutionellen Anlegern, Kryptowährungen und digitale Token an unterschiedlichen Handelsplätzen zu handeln, wie sie es aus dem klassischen Finanzbereich gewohnt sind. Da Bank Frick als EU-regulierte Vollbank zudem als Zentralverwahrer auftritt, erhalten Investoren einen voll regulierten Marktplatz, wie er aus dem Aktienhandel bekannt ist und der problemlos in ihre bestehende Infrastruktur integriert werden kann. Die Software von DLT Markets wird noch im Jahr 2019 zur Verfügung gestellt.

Der Brückenschlag zwischen klassischer und Kryptofinanzwelt kommt damit einen entscheidenden Schritt voran.

Author(s)

Roger Wurzel

DLT Markets CEO Roger Wurzel was active in Business Development at Bank Frick until 2019 and has proven expertise in trading crypto currencies. Prior to joining Bank Frick, Roger Wurzel worked internationally for Deutsche Bank AG for over 20 years in equity and derivatives trading.

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