Institutionelle Anleger können mit Crowdlending Mehrwert schaffen

von Raphael Haldner / 11.5.2018

Crowdlending, oder auch Marketplace-Lending genannt, hat mittlerweile Einzug in den institutionellen Anlagebereich gefunden. Die Renditen, welche sich über diese alternative Art der Anlage erzielen lassen, liegen oft deutlich über denjenigen von traditionellen Investments. Durch eine breite Diversifikation lassen sich die Risiken gut mindern, und die Preisentwicklung weist kaum eine Korrelation zu den Depotwerten auf, die sich üblicherweise in einem Vermögensverzeichnis finden lassen.

Die richtige Plattform

So ähnlich Crowdlending-Plattformen auf den ersten Blick wirken, so unterschiedlich können sie in ihrer Funktionsweise sein. Während beispielsweise einige Anbieter mit zusätzlichen Features wie etwa einer Solidarhaftungsklausel unter den Anlegern für zusätzliche Risikodiversifikation sorgen, bieten andere Plattformen eine isolierte Partizipation an Einzelforderungen an. Zu Beginn des Auswahlverfahrens ist es wichtig, sich ein Bild über die Kennzahlen des Plattformbetreibers zu machen. Das betrifft nicht nur die Finanzkennzahlen des Betreibers selbst, sondern auch die wesentlichen Zahlen zu bisher ausbezahlten Krediten, Ablehnungsraten, durchschnittlichen Kreditgrössen und historischen Ausfallraten. Da viele Anbieter den Markt erst vor kurzer Zeit betreten haben und über keine sehr lange Firmenhistorie verfügen, ist es essenziell, sich auch persönlich mit dem Management auszutauschen.

Crowdlending über strukturierte, regulierte Produkte

Für künftige Kapitalgeber ist es interessant, wie das Sourcing von beiden Seiten her abläuft. Sprich, wie Kreditgeber und Kreditnehmer den Weg zur Plattform finden und letztlich für Marktliquidität sorgen. Als Produkthersteller und künftiger Kapitalgeber will man nicht nur sicher sein, dass genügend Antragsvolumen zur Veranlagung bereitsteht, sondern allenfalls auch die Möglichkeit haben, sich vorzeitig von einer laufenden Kreditforderung zu trennen.

Für Crowdlending-Plattformen führt der Weg zu institutionellen Anlegern, wie etwa Pensionskassen, Versicherungen oder Family-Offices, fast ausschliesslich über strukturierte und regulierte Anlageprodukte.

A-Rating ist nicht gleich A-Rating

Ein wesentlicher Prüfpunkt ist das Scoring. Jeder Kreditnehmer wird mit einer Risikoklassifizierung ausgestattet, über die letztlich das Gesamtrisiko sowie die Zielrendite innerhalb eines Produkts gesteuert werden. Durch eine eingehende Prüfung der Scoring-Methodik muss der Produkthersteller und künftige Kapitalgeber die Risiken der einzelnen Ratingklassen verstehen. Dies insbesondere deshalb, weil jede Plattform mit ihren eigenen Scoring-Modellen arbeitet und sich diese daher nicht uneingeschränkt vergleichen lassen.

Ertragsprognosen durch geografischen Fokus

Grossen Einfluss auf die Attraktivität von Crowdlending als Assetklasse haben die geografischen Zonen, in welchen die Plattform die Finanzierungen vergibt. Die messbare Zahlungsmoral, sowohl im Privat- als auch im KMU-Bereich, kann sich von einem Land zum anderen sehr stark unterscheiden. Insofern ist es auf jeden Fall wichtig, einen Betreiber zu wählen, welcher einen konkreten geografischen Fokus verfolgt, um möglichst genaue Ertragsprognosen herleiten zu können.

Überwachung und Bewertung des Produkts

Für die stetige Überwachung und Bewertung des Produkts ist der Hersteller auf die laufende Zulieferung von Daten über das Kreditportfolio angewiesen. Zahlungsverzüge oder gar Ausfälle können erhebliche Auswirkungen auf die Rendite des Produkts haben und müssen rechtzeitig erkannt werden – im Bereich Reporting muss die Plattform demnach über die technische Möglichkeit verfügen, standardisierte und auf die Bedürfnisse des Produktherstellers ausgerichtete Reports zu liefern.

Win-win-Situation

Neben der Rendite ist der Komfort ein Argument, welches Produkthersteller im Bereich des Crowdlending gegenüber Anlegern ins Feld führen können. Sämtliche Zahlungsströme wie etwa Zins- oder Rückzahlungen werden automatisch über dessen Bankkonto abgewickelt, wesentliche Anlegermeldungen über seine Hausbank kommuniziert und das Produkt, wie gewohnt, als depotfähige Wertschrift im Kundenportfolio abgebildet. Wenn Produkthersteller auf die richtige Auswahl der Plattformen achten und die essenziellen Prozesse rund um das Crowdlending verstehen, können sie dadurch für sich und ihre Kunden einen Mehrwert schaffen.

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Raphael Haldner

Als Leiter des Bereichs Fondskunden und Emissionen verantwortet Raphael Haldner alle Fondsdienstleistungen für professionelle Marktteilnehmer.

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