19 February 2020

«Liechtenstein hat grossen Vorsprung»7 min read

Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on telegram
Share on facebook
Share on email

In einem Interview mit der Finanz und Wirtschaft erklärt Bank Frick CEO Edi Wögerer weshalb er blockchainbasiertes Banking heute als integralen Bestandteil von Bank Frick sieht. Ausserdem gibt er Einblicke über den Weg der Liechtenstein mit dem neuen Blockchaingesetz geht und schaut in die Zukunft von Bank Frick. Das nachfolgende Interview führte Beatrice Bösiger.

Beatrice Bösiger: Herr Wögerer, Anfang Jahr ist in Liechtenstein das Blockchain-Gesetz in Kraft getreten. Sie betreiben schon länger blockchainbasiertes Banking. Braucht es das Gesetz?

Edi Wögerer: Ja, absolut. Das neue Gesetz schafft in erster Linie Rechtssicherheit. Wer ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufbauen und betreiben will, muss gewisse Investitionen tätigen, und da wollen alle beteiligten Parteien Rechtssicherheit. Vorher mussten wir uns immer an bestehende Gesetze anlehnen und prüfen, ob es sich bei den blockchainbasierten Assets beispielsweise um Wertschriften handelt oder ob MifidRegulierungen zur Anwendung kommen.

Liechtenstein ist nur eine einzelne Jurisdiktion, Blockchain und Kryptowährungen funktionieren aber global. Braucht es nicht eine globale Regelung?

Das ist ein schwieriges Unterfangen. Nehmen Sie Libra als Beispiel: Der von Facebook initiierte Stablecoin hat unzählige Diskussionen auf globaler Ebene angestossen, die bislang noch ungelöst sind. Aber auch andere Fragestellungen werden in den europäischen Ländern unterschiedlich angepackt. Derzeit ist etwa Deutschland dabei, die Verwahrung von Krypto-Assets zu regeln, und vergibt dazu spezielle Lizenzen.

Das ist ein anderer Ansatz, als ihn Liechtenstein verfolgt.

Das liechtensteinische Blockchain-Gesetz ist sehr umfassend und regelt viele Aspekte. Ausserdem erfüllt es höchste Standards. Wenn man nun als Unternehmen von Liechtenstein aus nach Europa expandieren möchte, ist durch das BlockchainGesetz garantiert, dass man diese hohen regulatorischen Standards erfüllt. Dadurch müssen nur noch die jeweiligen länderspezifischen regulatorischen Eigenheiten angepasst werden. Dies bedeutet für das Unternehmen natürlich einen Vorteil.

Vielleicht muss Liechtenstein auch beweisen, dass sein Finanzplatz besser reguliert ist als früher?

Bereits 2009 hat sich Liechtenstein zur sogenannten Weissgeldstrategie bekannt und die Finanzbranche ihre Einstellung deutlich geändert. Hohe regulatorische Anforderungen wurden früher oft als zusätzlicher Aufwand, als Problem gesehen. Dabei wurde verkannt, was für eine riesige Chance darin steckt. Macht ein Unternehmen seine Hausaufgaben und verfügt über ein sauber durchstrukturiertes und transparentes Geschäftsmodell, ist dies ein deutlicher Vorteil gegenüber der Konkurrenz.

Verglichen mit Liechtenstein gelten Schweizer Banken als zurückhaltend bei der Annahme von Krypto-Assets, aus Angst, unter Geldwäscheverdacht zu geraten. Stehen Ihnen bessere Instrumente zur Überprüfung zur Verfügung?

Uns war klar, wenn wir in das Geschäft mit Krypto-Assets einsteigen, müssen wir die entsprechenden Strukturen schaffen. Die Kundenberater müssen geschult sein, unsere Rechtsabteilung muss das Geschäft verstehen, und insbesondere muss die Compliance das entsprechende Knowhow aufbauen und vorhalten. Da haben wir einen grossen zeitlichen Vorsprung auf die Schweizer Banken erarbeitet. Während andere Institute Blockchain und Kryptowährungen noch verteufelten, haben wir bereits massiv in das Thema Blockchain investiert, finanziell und personell. Wir wenden seit der ersten Stunde bei der Verwahrung und beim Handel mit Währungs-, Security- und Utility-Token sämtliche Standards und Regulierungsvorgaben aus der klassischen Bankenwelt an – ausnahmslos. Wir verifizieren die Identität der wirtschaftlich Berechtigten an den Assets und die Herkunft der Token via Chain-Analyse. Tatsache ist: Bei Krypto-Assets lassen sich die Asset-Flüsse viel detaillierter nachvollziehen als in der herkömmlichen Welt.

Wer ist denn Kunde bei Bank Frick?

Wir sind hauptsächlich auf Finanzintermediäre ausgerichtet. Im Kryptobereich haben wir viel mit Banken, Vermögensverwaltern, Brokern oder Handelsplattformen zu tun. Die grossen Kryptobörsen unterhalten bei uns Clearing Accounts. Aber zu unseren Kunden gehören etwa auch Unternehmer, die zu Beginn des Krypto-Hypes viel Geld gemacht haben und einen Teil davon nun ganz klassisch anlegen wollen.

Wo sehen Sie das grösste Potenzial für blockchainbasierte Bankgeschäfte?

Ob ein Bankgeschäft einen Bezug zu Blockchains hat, ist für mich je länger, je weniger wichtig, sondern es ist integraler Bestandteil unseres Geschäfts. Eigentlich ist es wie im herkömmlichen Bankgeschäft. Kunden wollen ihre Assets sicher verwahrt wissen, sie wollen damit handeln können, und zum Schluss soll es auch noch korrekt auf der Steuererklärung wiedergegeben werden.

Wie hat Bank Frick eigentlich mit Krypto- und blockchainbasiertem Banking begonnen?

Als familiengeführte Bank waren wir schon immer sehr unternehmerisch. Wir haben etwa nie ausschliesslich Private Banking betrieben. Und als nach der Finanzkrise 2008/09 der regulatorische Tsunami über Europa hinweggebraust ist und Liechtenstein und die Schweiz ihre Standortvorteile verloren haben, haben wir nach neuen Geschäftsmodellen gesucht.

Auf welches Geschäft haben Sie sich dann konzentriert?

Wir sind in das E-Commerce-Geschäft eingestiegen, wo sich Kontakte zu diversen jungen Unternehmen ergeben haben. Meist kamen diese von der technischen Seite her. Sie verfügten über ein fixfertiges Tool, hatten sich aber noch nie mit Regulierungen auseinandergesetzt, die beispielsweise für die Abwicklung eines Zahlungsprozesses nötig sind. Wir haben diese Firmen dann bei regulatorischen Fragen beraten, mit dem Vorteil für den Kunden, dass er regulatorisch auf der sicheren Seite war. Die Herausforderung dabei war, die schnelllebige Welt der Tech-Unternehmen mit dem regulatorischen Framework, das vielleicht nicht so schnelllebig ist, zusammenzuführen.

Und Kryptowährungen?

Vor vier, fünf Jahren war das entsprechende Wissen hierzulande nicht so einfach zu bekommen. Wir haben deshalb durch persönliche Kontakte einen jungen Experten ausfindig gemacht, der in Kalifornien studierte und bei einer Kryptobörse arbeitete. Wir konnten ihn dafür gewinnen, ein paar Monate zu uns zu kommen und für uns ein Basispapier zu erstellen sowie unsere Mitarbeiter auszubilden. 2016 sind wir dann mit Krypto-Banking gestartet.

Das Handelsvolumen im Blockchain-Banking ist im ersten Halbjahr 2019 bei Bank Frick um 115% gewachsen. Was ist Ihre Prognose für dieses Jahr?

Insgesamt wachsen wir recht schön. Am liebsten wäre mir ein langsames, kontinuierliches Wachstum. Aber meist ist der Verlauf etwas wellenförmig. Der Geschäftsbereich trägt rund ein Viertel zu unserem Umsatz bei. Auf unser E-Commerce-Geschäft entfallen 10%, der Rest teilt sich auf das Depotgeschäft für europäische Investmentfonds und das klassische Private Banking auf.

Ist Krypto-Banking für Sie als Bank auch eine Möglichkeit zur Diversifizierung im Niedrigzinsumfeld?

Das gilt grundsätzlich für die gesamte Fintech-Branche. Hier bieten sich zahlreiche Möglichkeiten für alternative Anlagen. Beispielsweise arbeiten wir mit einem grossen Schweizer Crowdlender zusammen, dort fallen immer wieder Refinanzierungen an. Diese Portfolios haben für mich als Bank sowie für unsere Kunden einen schönen Diversifizierungseffekt. Aus dem gleichen Grund kann es auch für Kunden interessant sein, Kryptowährungen in kleinem Umfang dem Portfolio beizumischen und so in diese AssetKlasse zu investieren.

Wie entwickelt sich das Geschäft der Bank Frick derzeit? Mitte vergangenen Jahres haben Sie angekündigt, den zuvor angestrebten Jahresgewinn von 3,6 Mio. Fr. nicht mehr erreichen zu können. Aktuell gehen Sie von 2 Mio. Fr. Gewinn aus. Sind Sie in dieser Hinsicht auf Kurs?

Das ist richtig, im Sommer haben wir unsere Gewinnerwartung auf 2 Mio. Fr. nach unten korrigiert, da wir zusätzliche Investitionen in zwei Tochterfirmen gemacht haben. Die Geschäfte im zweiten Halbjahr liefen aber sehr erfreulich, und wir werden den ursprünglich angestrebten Jahresgewinn von 3,6 Mio. Fr. erreichen. Damit mehr Kapital zum Investieren vorhanden ist, haben wir auf die Auszahlung einer Dividende verzichtet. Unsere beiden Aktionäre, die Familie Frick sowie der Tech-Konzern Netl aus Südafrika, geben uns den Freiraum und sind auch mit weniger Gewinn zufrieden. Das ist sehr wichtig für uns. Die Investitionen haben wir aus unserem eigenen Cashflow finanziert und kein zusätzliches Kapital aufgenommen.

Net1 hat vor Kurzem ihre Beteiligung an Bank Frick auf 70% aufgestockt und damit die Mehrheit übernommen. Wie ist der Status der Transaktion?

Es fehlt noch die Bewilligung der liechtensteinischen Finanzmarktaufsicht. Wir erwarten aber keinen Einspruch, Netl war ja bereits zuvor an Bank Frick beteiligt. Das ist nur noch ein formaler Prozess und sollte bis April abgeschlossen sein.

Wie geht es 2020 für Bank Frick weiter?

Wir werden weiterhin unsere Augen und Ohren offen halten, insbesondere im deutschsprachigen Raum. Ein Zukauf im Custody-Bereich ist sicher interessant für uns, wir sind aber auch an weiteren Beteiligungen interessiert. Unser Fokus liegt nun auf dem weiteren Ausbau unserer Vertriebsstruktur. Bislang haben wir sehr viel in Technologie, regulatorische Fragestellungen, Compliance und den Aufbau neuer Geschäftsmodelle investiert. Jetzt wollen wir diese zu den Kunden bringen.

Das Interview erschien in der «Finanz und Wirtschaft» Nr. 13 vom 15. Februar 2020.

Author(s)

Beatrice Bösiger

Beatrice Bösiger is an editor at “Finanz und Wirtschaft”. She studied German language and literature, film studies and cultural studies at the universities of Bern, Zurich and Vienna.

Tags

Related Articles

Subscribe to newsletters

With our newsletters, you get press releases about our company, views on developments in the crypto industry and the latest expert blog articles sent straight to your inbox. Choose from our range of newsletters and register here.

Subscribe