Mit Blockchain in die Zukunft4 min read

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Als Leiterin des Porsche Digital Lab in Berlin ist Anja Hendel die treibende Kraft hinter der digitalen Transformation des Stuttgarter Sportwagenherstellers und ständig auf der Suche nach Innovation. Ihr Lab dient dabei als Collaboration-Plattform für Technologieunternehmen, Start-ups und Wissenschaft. Im Interview spricht sie über ihren Werdegang, Software als roten Faden, den Wandel in der Unternehmenskultur und die Zukunft der Blockchain-Technologie.

Wie kamen Sie zu Porsche?

Nachdem ich Wirtschaftsinformatik studiert und zwei Jahre lang für ein Start-up als Softwareentwicklerin gearbeitet hatte, wechselte ich zu einer Unternehmensberatung, um in einer globalen Technologiefunktion tätig zu sein. Anschliessend war ich sechs Jahre lang bei einem pharmazeutischen Grosshändler beschäftigt, bei dem ich vor allem für die Softwareeinführung verantwortlich war. Im Herbst 2013 kam ich dann zu Porsche und übernahm eine Tätigkeit in den Bereichen IT-Portfolio und Strategie. Dort lag mein Fokus insbesondere auf der digitalen Transformationsstrategie des Unternehmens. Mit meiner aktuellen Aufgabe bin ich schlussendlich wieder bei meinen Wurzeln – der Softwareentwicklung – angelangt und arbeite mit grossartigen und vielfältigen Kollegen im Porsche Digital Lab in Berlin.

Kann man die Softwareentwicklung vor dem Hintergrund Ihrer Branchenwechsel als roten Faden in Ihrem Leben bezeichnen?

Auf jeden Fall! Als studierte Wirtschaftsinformatikerin beschäftige ich mich neben Software immer auch mit dem Wandel, den diese in ein Unternehmen hineinträgt. Schliesslich haben neue Softwareeinführungen bereits vor der digitalen Transformation Organisationen und Prozesse verändert und werden das auch weiterhin tun.

Wann sind Sie dann zum ersten Mal mit Blockchain in Berührung gekommen?

Das war 2016 im Rahmen der Innovationsplattform «Startup Autobahn». Damals haben wir ein Projekt gestartet, das sich mit der Dokumentation von Originalteilen und Zertifikaten im Fahrzeugbereich beschäftigte.

Welchen Nutzen verspricht sich Porsche von dieser neuen Technologie?

Beim Einsatz neuer Technologien steht deren Mehrwert für unsere Kunden und Mitarbeitenden stets im Vordergrund, deren Nutzen ist dabei natürlich anwendungsbezogen. Das reicht bei der Blockchain-Technologie beispielsweise von der IT-Sicherheit durch standardisierte kryptografische Verfahren über die Transparenz und Nachverfolgbarkeit von Daten bis hin zum Komfort für Nutzer im Rahmen von Smart Contracts und der nahtlosen Integration von Diensten verschiedener Anbieter.

Welche konkreten Use-Cases verfolgt Porsche aktuell?

Porsche entwickelt und nutzt die Blockchain-Technologie nicht nur im und um das Fahrzeug herum. Konkrete Anwendungsbereiche sind damit auch unsere Buchhaltung, die Dokumentation von Fahrzeugdaten oder digitale Bezahloptionen. Darüber hinaus wird die Technologie für dezentrales Computing eingesetzt, zum Beispiel in der Produktion oder Beschaffung.

Wird die Blockchain bei Porsche in die Serienfertigung einfliessen?

Aktuell befinden wir uns in einem sehr frühen Stadium dieser neuen Technologie und testen daher noch verschiedene Anwendungsbereiche – das macht Prognosen für die Serienproduktion schwierig. Wir werden die Technologie allerdings in die Serienproduktion bringen, sobald sie einen konkreten Mehrwert für unsere Kunden bietet.

Ihr Digital Lab beschränkt sich nicht nur auf Blockchain. An welchen weiteren Technologien forschen Sie noch?

Neben der Blockchain-Technologie fokussieren wir uns derzeit vor allem auf künstliche Intelligenz (KI) und das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT). Neu dazu kommt nun auch Quantencomputing. Dabei erforschen wir das Potenzial dieser Technologien durch die Entwicklung von Konzepten, Prototypen, Minimum Viable Products (MVPs) und innovativen Geschäftsmodellen. Es ist unsere Mission, Porsche zu inspirieren, wie diese Technologien unsere tägliche Arbeit und unsere Unternehmensprozesse verbessern können.

Wie sieht dabei Ihr Alltag im Digital Lab aus?

Das Schöne an meiner Arbeit ist, dass es für mich keinen klassischen Alltag gibt. Ich darf mich jeden Tag mit interessanten Menschen und Themen beschäftigen – einen besseren Alltag kann ich mir nicht vorstellen.

Neue Technologien werden heute medial meist mit «Disruption» verknüpft. Können Sie den Begriff überhaupt noch hören?

Dinge in Frage zu stellen und neu zu denken ist immer aktuell und sollte es auch bleiben. Wir befinden uns momentan in einer sehr spannenden Phase, in der viele Möglichkeiten durch den Einsatz neuer Technologien entstehen.

Der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche blickt auf eine lange Historie zurück. Wie stark beeinflusst das Digital Lab die dortige Unternehmenskultur?

Künftig geht es neben dem Entwickeln, Bauen und Vertreiben von Fahrzeugen für uns auch darum, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und uns zumindest in Teilen neu zu erfinden. Dafür müssen wir auch mal über den Tellerrand hinausschauen. Die Rahmenbedingung dafür haben wir mit Porsche Digital und unseren Innovationseinheiten geschaffen.

Sie befassen sich intensiv mit Zukunftstechnologien. Was kommt nach der Blockchain?

Was danach kommt, ist schwierig zu prognostizieren. Speziell auf die Blockchain-Technologie bezogen pflegt unser Lab-Experte Claudio Weck allerdings zu sagen: «Die Zukunft der Blockchain ist vielleicht nicht die Blockchain.». Die Technologie wird meist auch nicht isoliert eingesetzt, sondern häufig in Kombination mit verteilten Dateispeichern und Zero-Knowledge-Proofs, um eine hohe Privatsphäre trotz Transparenz zu erreichen. Im Grunde geht es ohnehin um die Erstellung dezentraler Collaboration-Modelle – unabhängig von der Technologie.

Die Digitalisierung steht heutzutage überall im Fokus. Wird Porsche damit irgendwann zum Softwarehersteller?

Im vergangenen Jahr haben wir 70 Jahre Porsche Sportwagen gefeiert. Und wir gehen davon aus, dass sich die Automobilbranche in den kommenden 7 Jahren stärker verändern wird als in den vergangenen 70. Darum tun wir alles dafür, mit unseren Aktivitäten die digitale Transformation von Porsche voranzutreiben.

Das Interview führte Felix Saible für Bank Frick.

Author(s)

Anja Hendel

Since 2017, Anja Hendel has headed the Porsche Digital Lab in Berlin, which deals with the application areas Blockchain, Artificial Intelligence and Internet of Things in Porsche practice. Previously, the graduate in business informatics had been assistant to the CFO at Porsche since 2015 and responsible for IT portfolio and strategy since 2013.

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