Pragmatismus im Blockchain-Hype5 min read

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Früher kümmerte er sich um das Gästewohl, heute steht Michael Dolzer an der Spitze der technologischen Entwicklung der Bank Frick. Er glaubt, dass bald jeder Liechtensteiner mit Kryptowährungen bezahlen wird.

Ich bin Leiter Business Technologies und Innovation Management», stellt sich Michael Dolzer vor. Und als er in die ratlosen Augen seines Gegenübers schaut, schiebt er nach: «Früher hiess es einfach IT.» Heute sei einfach viel mehr dazugekommen, weshalb man die Abteilung umbenannte. Die Aussage verdeutlich, wie Michael Dolzer seinen Job bei der Bank Frick versteht. Er geht ihn pragmatisch an, trotz all dem Blockchain-Hype und den Veränderungen in der Finanzbranche. Das liegt vielleicht auch daran, dass er eigentlich aus einer anderen Branche kommt. «Ich bin zufällig in der Informatik gelandet», erklärt Dolzer. Ursprünglich hat er die Hotelfachschule absolviert. «Eigentlich plante ich in diesem Bereich eine Karriere.» Im Welschland, in Italien und England arbeitete er, lernte die Sprachen und entwickelte sich weiter. «Eines Tages kam von einem Treuhandunternehmen die Frage, ob ich Interesse an der IT habe – Nein, Moment: Damals hiess es sogar noch EDV.»

Überschaubar sei es gewesen, die EDV, als er vor dreissig Jahren dort einstieg. «Damals kostete ein Personal Computer noch 16 000 Franken.» Dann folgte eine typische Karriere, wie es Dolzer nennt. Vom Systembetreuer entwickelte er sich weiter zum Programmierer, dann ging es in die Projektentwicklung und zum Business Process Management. «Ich habe mich immer breiter aufgestellt und am Ende bin ich hier gelandet. Bereut habe ich den Wechsel nie.»

Die Arbeit geht nicht aus

An der Karriere von Dolzer lässt sich auch erkennen, was sich hinter den dicken Bankmauern über die Jahre verändert hat. Dabei änderten nicht nur die Bezeichnungen der Abteilungen, sondern auch deren Aufgaben. «Früher betreuten wir eine zentrale Bankenapplikation und verschiedene Nebenapplikationen. Dazu kam die Verantwortung für die Systemtechnik», erklärt der Fachmann. Mit der Zeit sei immer mehr dazugekommen, unterdessen gehören zu seiner Abteilung fünf Bereiche. Alles werde schneller und kurzlebiger, erklärt Dolzer weiter. Dabei verlange die Dynamik des Marktes, dass man flexibel und zeitnah auf Kundenwünsche reagieren könne.

Heute ähnelt der Job des ehemaligen EDVlers mehr einer Mischung aus ­Systementwickler und Kundenberater. «Meist geht es um die Digitalisierung von Prozessen.» Kunden kommen zu ihm, um ein Problem zu lösen oder bestehende Prozesse effizienter zu gestalten. Businessanalysten, die ebenfalls zum Team Dolzer gehören, nehmen sich der Aufgabe an und entwickeln dann ein Papier mit Lösungsvorschlägen. Dieses wird dann vom Bereich Business Engineering umgesetzt und später dann vom Customer Service betreut. Es gibt also viel zu tun – und weniger wird es nicht.

«Ja mei …»

Die Bank Frick hat bereits früh neben dem klassischen Banking das Blockchain-Banking aufgebaut, um so ein weiteres Standbein zu etablieren. Das hat sich bereits ausgezahlt, heute gilt die Bank als erste Anlaufstelle für die zahlreichen Start-ups in dem Bereich. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass sich die traditionellen Banken schwertun, überhaupt ein Konto für solche Start-ups zu eröffnen. Zu gross ist die Skepsis gegenüber der neuen Technologie. Man wartet lieber ab und beobachtet aus der Ferne.

Braucht es Mut, um auf der grünen Wiese etwas Neues aufzubauen? Dolzer wiegelt ab: «Wir sind seit jeher eine innovative Bank. So haben wir bereits vor Jahren mit Payment-Lösungen im Acquiring-Bereich begonnen.» Schon damals habe man ganz neue Produkte entwickeln müssen. Den heutigen Rummel um die Blockchain und die Bank Frick nimmt er daher eher gelassen. Auf die Frage, wie viele Überstunden er im aktuellen Hype machen müsse, antwortet er: «Ja mai …» Er überlegt und sagt dann: «Etwa zwei bis vier pro Tag.» Es klingt nicht wie eine Belastung, mehr als ob es das Normalste auf der Welt wäre.

Es sind genau solche Herausforderungen wie die Blockchain, die Dolzer sucht. Unterdessen unterhält die Bank eine ganze Abteilung, welche sich rein dem Thema Blockchain verschrieben hat. Dolzer ist fasziniert von der Entwicklung in diesem Bereich. «Hier handelt es sich um eine richtige Community, die täglich neue Ideen generiert. Man kommt aufgrund der Vielzahl und vor allem aufgrund der Vielfalt der Ideen fast nicht nach.» Dolzers Aufgabe ist es dann, zusammen mit der Unternehmensführung und der Fachabteilung interessante Ideen für die Bank zu iden­tifizieren.

20 Cent für ein Bitcoin

Dolzer ist fest davon überzeugt, dass die Kryptowährungen mit der zugrunde liegenden Blockchain-Technologie den Markt verändern werden. Er hat schon vor vielen Jahren davon gehört, als es noch eine Nerd-Erscheinung war. Ge­rade bei den Kryptowährungen: Man habe es sich mal angeschaut, verstand die Idee dahinter und kam zum Schluss, dass man es nicht braucht. «Dass ich mich heute noch in den Hintern treten könnte, weil ich nicht eingestiegen bin, versteht sich von selbst», ergänzt er lachend. Er hätte Bitcoins für 20 Cents kaufen können. Unterdessen sind sie mehrere Tausend wert.

Heute hat sich diese Einstellung um 180 Grad gedreht. «Kryptowährungen werden sich durchsetzen», ist Dolzer überzeugt. Die Entwicklung dürfte ähnlich sein wie bei der Kreditkarte. Dort konnte man früher auch nur punktuell und ab gewissen Beträgen Rechnungen zahlen, dann setzte sie sich immer mehr durch und heute verwendet man sie auch für Kleinstbeträge. «Das wird bei Kryptowährung auch kommen.»

Die gleiche Überzeugung teilt er auch für die Technologie hinter den Kryptowährungen, der Blockchain. Wie «seine» Bank auch, glaubt er an das disruptive Potenzial der Technologie. Deshalb will er auch den in den vergangenen Jahren aufgebauten Wissensvorsprung in diesem Bereich weiter verteidigen. «Wir sehen bereits heute fast täglich, wie sich die Prozesse beschleunigen.»

Berufsbilder ändern sich

Der Trend gehe immer mehr in die Richtung, dass der Kunde die digitalisierten Bankprozesse direkt in sein Tagesgeschäft integriert. Das setzt digitalisierte und automatisierte Prozesse bei der Bank voraus. Und fügt aber gleich an, dass er trotzdem daran glaubt, dass es auch in Zukunft Bankangestellte brauchen werde. «Aber natürlich werden sich gewisse Berufsbilder ändern.» Vom Schwarzmalen hält er allerdings wenig. «Ein Beispiel: Bereits heute machen viele Kunden ihre Zahlungen über Onlinebanking selbst. Das führte vor ein paar Jahren auch zu Veränderungen im Backoffice. Und trotzdem sind heute sogar mehr Leute in der Finanzbranche tätig als vorher.» Dolzer glaubt an den Wandel, nicht an den Abbau. Und wem soll man das glauben, wenn nicht dem Hotelfachmann an der Spitze der technologischen Entwicklung der Bank Frick.

Das Porträt erschien ursprünglich am 22. September 2018 in der Wochenzeitung Wirtschaftregional.

Author(s)

Michael Dolzer

Michael Dolzer has been Head of Business Technologies and Innovation Management at Bank Frick since 2012. After moving from hotel management to information technology, he is now responsible for process automation, among other things, and is driving the development towards open banking at Bank Frick.

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