Private Debt – Mehr Kapitalmarkt, weniger Bank7 min read

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Auch in Zeiten tiefer Zinsen suchen Anleger nach Wegen, ihre Portfolios zu diversifizieren mit dem Wunsch nach attraktiven Renditen. Eine Situation, der sich auch Bank Frick mit ihrem Fokus auf Intermediäre stellen muss. Gleichzeitig haben KMUs aufgrund ihrer Beurteilungsrisiken und der stärkeren Regulierung der Banken unter Basel III zunehmend Probleme bei der Finanzierung und wenden sich von klassischen Kreditinstituten ab. Eine Lösung für beide Seiten bietet das Thema Private Debt, welches Dank der Digitalisierung als Anlageform für Vermögensverwalter und deren Kunden interessant wird.

Die Anlageklasse Private Debt beinhaltet Kredite, die nicht klassisch durch Banken vergeben werden, sondern durch Nicht-Banken wie Fonds, Family Offices, Versicherer oder Pensionskassen, weswegen man hier auch von Privatplacierungen spricht.

Private Debt wird als Finanzierungsform immer beliebter und könnte sich dank der Digitalisierung und Standardisierung von Prozessen sowie der damit einhergehenden Transparenz als Anlageklasse bald bei Intermediären wie Vermögensverwaltern durchsetzen. Grund genug, sich näher mit den Produkten auseinanderzusetzen – Anreize bieten diese genug, versprechen sie doch attraktivere Renditen als herkömmliche Anleihen, geringere Kursschwankungen und gute Möglichkeiten, ein Portfolio zu diversifizieren. Damit dürfte Private Debt mehr sein als eine Modeerscheinung.

Von der risikolosen Rendite zum renditelosen Risiko

Angesichts eines seit mehr als zehn Jahre anhaltenden Tiefzinsumfelds haben sich die hiesigen Vermögensverwalter daran gewöhnt, dem «Anlagenotstand» täglich in die Augen zu schauen. Eine Wende ist bisher nicht absehbar. So ist aus den guten alten Staatsanleihen – damals auch gern als «risikolose Rendite» bezeichnet – ein «renditeloses Risiko» geworden.

Einzig etablierte Alternativen zu den genannten Festzinspapieren sind in der Regel Aktien, Edelmetalle sowie strukturierte Produkte. Doch während auf dem Aktienmarkt seit Längerem mit einer Abkühlung gerechnet wird, die sich spätestens mit der Zinserhöhung einstellt, werden Edelmetalle von Vermögensverwaltern nur zu einem kleinen Anteil und zur Portfoliodiversifikation beigemischt – als Inflationsschutz und Wertspeicher.

Auf der Jagd nach Rendite erleben strukturierte Produkte daher seit den letzten Jahren eine beispiellose Nachfrage. Zwar lassen sich hier interessante Anlagestrategien verfolgen und die Produkte können individuell auf Kundentyp und Risikoklasse zugeschnitten werden – zuweilen schnell und voll digitalisiert – und dennoch bleibt ein Haken, der oft ignoriert wird. Denn mit der im strukturierten Produkt abgebildeten Strategie kauft der Anleger gleichzeitig das Emittentenrisiko. Ausgeber sind mit den Banken dabei jene Marktteilnehmer, die durch die Finanzkrise 2008 ins Straucheln kamen und sich teilweise nur mittels günstigen Kapitals oder staatlichen Garantien aufrechthalten konnten.

Sollte sich eine Liquiditätskrise wiederholen, hätte dies weitreichende Konsequenzen für die genannten Anlageklassen. Wahrscheinlich erscheint ein solches Szenario aufgrund explodierender Immobilienpreise oder der zunehmenden Verschuldung von Schwellenländern, die ein immer höheres Volumen an ausstehenden Fremdwährungskrediten vor sich hertragen. Die Nationalbanken werden vor diesem Hintergrund nicht auf ihr wichtigstes geldpolitisches Instrument verzichten, sondern – über kurz oder lang – die Zinsen anheben, um frühzeitig auf eine solche Krise zu reagieren. Family Offices, Vermögensverwalter und andere Intermediäre sollten darum frühzeitig Alternativen in Betracht ziehen, um das volle Potenzial des Kapitalmarkts auszuschöpfen.

Liquidität ist vorhanden, fliesst aber oft an den falschen Ort

Waren tiefe Zinsen bisher grundsätzlich eine gute Möglichkeit, sich günstig zu verschulden, um die Kapitalkosten mit der Rendite aus dem Kredit zu egalisieren, gilt diese einfache Formel insbesondere für KMUs heute oft nicht mehr.

Zwar ist das Zinsdifferenzgeschäft immer noch ein wichtiger Pfeiler der Bankenwelt, allerdings bevorzugen Kreditinstitute immer stärker Kreditnehmer mit ausreichenden und vor allem leicht bewertbaren Sicherheiten, um die Ausfallwahrscheinlichkeit zu minimieren. KMUs, die bereits ein Firmengebäude verpfändet haben, oder Start-ups ziehen somit vor einem «Häuslebauer» den Kürzeren, der ein vielversprechendes Grundpfandeigentum vorweisen kann.

Immer striktere Vorgaben hinsichtlich der Hinterlegungspflicht von Banken verschärfen die Situation weiter. Im Rahmen von Basel III wurden Banken nach der Finanzkrise 2007 verpflichtet, Kredite je nach Risiko mit mehr Eigenkapital zu hinterlegen – Basel IV wird diese Massnahmen nochmals ausweiten. Als Resultat trifft eine restriktivere Kreditvergabe aber gerade kleinere, nicht kotierte Unternehmen, die über kein Investment Grade Rating verfügen.

Private Debt als neue Anlageklasse

Diesen bleibt vermehrt nur die Möglichkeit, ausserhalb der Bankenwelt nach Finanzierungsquellen Ausschau zu halten. Dabei zeigen sich viele gut geführte Unternehmen bereit, Ihren Kapitalgebern risikoadäquate Zinsen zu bezahlen. Hinzu kommt eine Risikoprämie, die aufgrund der fehlenden Liquidität und der höheren Komplexität der Anlagen eingebettet wird. Hierdurch kann Private Debt in der Regel bereits mit attraktiven Renditen überzeugen. Daneben bietet die Anlageform zudem interessante Diversifikationsmöglichkeiten – die Korrelation zu anderen Asset-Klassen ist gering – und ist aufgrund des nicht vorhandenen Sekundärmarkts kaum Kursschwankungen ausgesetzt, da der Faktor «Psychologie» nur geringe Auswirkungen hat. Die Ausgestaltung von Private-Debt-Produkten ist nicht standardisiert, im Vergleich zu Private Equity handelt es sich hier aber immer um Fremdkapital – nicht zuletzt unterstützen Anleger damit den Mittelstand mit einem flexiblen Finanzierungsprodukt.

Als Anlageklasse wurde Private Debt schon längst entdeckt – blieb aber wegen mangelnder Transparenz hauptsächlich institutionellen Marktteilnehmern vorbehalten. Neben dem nicht öffentlichen Charakter solcher Angebote unterliegen die Emittenten meist nur geringen Publikationspflichten und besitzen oft kein Rating. Darüber hinaus existieren keine standardisierten Handelsplätze und Anleger müssen mit fehlender Liquidität leben können.

In Zeiten von MiFID II und FIDLEG war es bisher naheliegend, dass Vermögensverwalter ihre Kunden von solchen Investitionen fernhalten, da sich Risikoprofile von Kunden und Anlagen nur schwer abgleichen und dokumentieren lassen.

Digitalisierung schafft Transparenz

Der Brückenschlag zwischen Private Debt und Intermediären inklusive deren Endkunden gelingt nun mithilfe der Digitalisierung und Standardisierung von Prozessen sowie der damit einhergehenden Transparenz für alle involvierten Akteure. Ziel und zentrales Instrument bildet die Online-Plattform «area2Invest» der 21.finance AG, an der sich Bank Frick im Zuge einer Kapitalerhöhung mit knapp über 25 Prozent beteiligt hat.

Digitalisiert werden dabei das Onboarding seitens des Emittenten, welches die Erstellung und Listung eines neuen Produkts auf einer Website umfasst, klassische Anleger-Onboarding-Prozesse wie KYC und AML sowie die MiFID-Klassifizierung und schliesslich die Auftragsplatzierung. Da umfassende Angaben zum Emittenten abgefragt und auf einer solchen Plattform zur Verfügung gestellt werden, halten damit die Standards börsengehandelter Produkte Einzug in die Anlageklasse Private Debt.

Emittenten erhalten so einen neuen Vertriebskanal und profitieren von einer grösseren Reichweite, Anleger wie Intermediäre können wiederum mittels abgefragter Kennzahlen das Risikoprofil erheblich besser einschätzen und direkt mit dem Emittenten in Kontakt treten, wodurch die Transparenz sichergestellt wird.

Die rechtlichen Vorgaben zur Anlegerkategorisierung und zu den Pflichten von Banken sowie Vermögensverwaltern im Rahmen von MiFID II sind in der Theorie zwar relativ klar, führen aber in der Praxis noch immer zu Unsicherheiten, da Kundendaten bis heute meist manuell erfasst werden und eine Nachdokumentation somit nur in unregelmässigen und grossen Abständen erfolgt – das Haftungsrisiko für Banken und Intermediäre erhöht sich dementsprechend. Auch hier können digitalisierte und standardisierte Prozesse Abhilfe und Sicherheit schaffen. Zeitgleich lassen sich Geschäftsvorgänge – Zeichnungsabwicklung, Informationsaustausch zwischen Anleger und Emittent etc. – automatisieren und revisionssicher dokumentieren, wodurch der Emittent später einen einwandfreien Vertrieb nachweisen kann.

Ebenso verhält es sich für kapitalsuchende Unternehmen. Denn können sich Anleger zukünftig auf einen Mindeststandard bei Produkt- und Unternehmenskennzahlen stützen, erleichtert – und beschleunigt – das nicht nur deren Entscheidung, sondern erlaubt einen einfachen Abgleich zwischen Kundenrisikoprofil und Anlage.

«Mehr Kapitalmarkt, weniger Bank» funktioniert vor diesem Hintergrund dank der Digitalisierung und einer Plattform, welche Kundenbedürfnis und Angebot automatisiert gegenüberstellt und den Nutzern individuell präsentiert. Eine Bank ist in diesem Szenario nicht mehr notwendig und doch muss der Kunde auf die Abbildung des Investments in seinem Bankdepot nicht verzichten. Darüber hinaus hat das Ausscheiden von Banken zur Folge, dass sich bisher bei der Auftragsplatzierung bestehende Interessenskonflikte auflösen lassen. Der Kapitalmarkt wird damit so gefördert, wie es die EU mit ihrer Reform der Prospektverordnung offenkundig anstrebt.

Für Vermögensverwalter und Emittenten sind dies gleichermassen gute Neuigkeiten, die es vor dem Hintergrund des anhaltenden Tiefzinsumfelds – und darüber hinaus – auszunutzen gilt. Für Intermediäre dürfte dabei nicht nur die Renditenmaximierung von Interesse sein, sondern auch die Möglichkeit zur Portfoliodiversifikation in Verbindung mit niedrigen Kosten.

Author(s)

Raphael Haldner

As Head of Fund and Capital Markets, Raphael Haldner is responsible for all fund services for professional market participants.

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