26 March 2020

Strategische Partnerschaften zwischen Banken und DLT-Dienstleistern18 min read

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Klassische Finanzinstitute stehen heute vor zahlreichen Herausforderungen. Innovationspotenzial und erweiterte Services bietet dabei heute vor allem der Bereich Blockchain – so kommt es nach anfänglichen Grabenkämpfen verstärkt zu Partnerschaften zwischen Banken und DLT-Dienstleistern. Neben zahlreichen Vorteilen bergen diese jedoch auch eine hohe Konfliktwahrscheinlichkeit. Zeit für eine Analyse, welche auf die Erfolgs- und Einflussfaktoren sowie die Komplexitätsrisiken eingeht.

Traditionelle Banken im DACH-Raum werden nicht nur mit den altbekannten Veränderungen wie Globalisierung, Digitalisierung oder Regulierung konfrontiert, sondern sehen sich seit dem Hype einiger Kryptowährungen wie Bitcoin und dem Siegeszug der Blockchain-Technologie zunehmend einer neuen Konkurrenz ausgesetzt – DLT-Dienstleistern, deren Services auf den Finanzmarkt ausgerichtet sind. Dies kommt insofern ungelegen, als dass der Bankensektor zudem bereits seit einigen Jahren mit dem steigenden Einfluss der Fintechs ringt, zu denen sich nun auch DLT-Dienstleister zählen lassen.

Nach einer anfänglichen Vorsicht aufseiten der Banken und der oftmals vorhandenen ideologischen Abneigung seitens der DLT-Dienstleister suchen die beiden Lager mittlerweile verstärkt den Kontakt und arbeiten gemeinsam an neuen Produkten und Services. Da DLT-Dienstleister – wie Fintechs – ohne Banklizenz nur eingeschränkt operieren können und einen hohen Aufwand für Marken- und Vertrauensaufbau leisten müssen und für Banken umgekehrt der Aufbau eigener DLT-Expertise und -Technologie nur mit hohen Investitionen und Zeitverlust möglich ist, sie dafür jedoch über Lizenzen und eine solide Kundenbasis verfügen, kommt es verstärkt zu Allianzen, um einen gegenseitigen Technologie- bzw. Infrastrukturtransfer zu ermöglichen und sich Anteile am neuen Wachstumsmarkt der Kryptofinanzdienstleistungen zu sichern. Der zu Beginn medial heraufbeschwörte Wettbewerb weicht damit zunehmend der Kooperation zwischen den beiden Finanzmarktakteuren.

Die daraus resultierenden strategischen Partnerschaften zwischen Banken und DLT-Dienstleistern können dabei aufgrund des Reifegrads aktuell bestenfalls als Experimente bezeichnet werden, die allerdings gegenseitig grosse Lerneffekte verursachen und die weitere Marktentwicklung prägen werden. Die nachfolgende Analyse geht darum der Frage nach, wie solche strategischen Partnerschaften hinsichtlich ihrer Performance abschneiden und ob sich bereits erste Erfolgs- bzw. Risikovariablen ermitteln lassen.

Was sind DLT-Dienstleister?

Da es sich hier um ein sehr junges Segment handelt, liegt in der Fachliteratur noch keine allgemein gültige Definition eines DLT-Dienstleisters vor – auch wenn einige Jurisdiktionen bereits erste Gesetze zu Kryptowährungen, der Blockchain-Technologie oder DLT-nahen Anwendungen verabschiedet haben.

Während Gibraltar bereits zum 1. Januar 2018 DLT-bezogene Rahmenbedingungen einführte und Malta mit dem „Virtual Financial Assets Act“ im Sommer 2018 den Fokus auf die Regulierung von ICOs legte, hat Liechtenstein zum Jahresstart 2020 sein Gesetz über Token und VT-Dienstleister (TVTG) verabschiedet, welches regulatorisch sicher den spannendsten – und umfassendsten – Ansatz wählt. Aus dessen Registrierungs- und Bewilligungspflichten ergeben sich folglich auch die DLT-Dienstleister, welche der Analyse zugrunde liegen:

  • Token-Emittent
    Person/Unternehmen, welches Token im eigenen Namen (Eigenemission) oder im Namen eines Auftraggebers (Fremdemission) öffentlich anbietet

  • Token-Erzeuger
    Person/Unternehmen, welches einen oder mehrere Token erzeugt und somit für die konkrete technische Ausgestaltung des Token verantwortlich ist; diese ist nicht zwingend mit dem Token-Emittent identisch

  • Schlüssel-Verwahrer
    Person/Unternehmen, welches DLT-Schlüssel (Private Key) für einen Auftraggeber aufbewahrt und dessen Schutz gewährleisten muss; getrennte Verwahrung von Kunden- und eigenen Schlüsseln

  • Token-Verwahrer
    Person/Unternehmen, welches Token in fremden Namen und auf fremde Rechnung verwahrt; getrennte Verwahrung von Kunden- und eigenen Token

  • Physischer Validator
    Person/Unternehmen, welches die vertragsgemässe Durchsetzung von in Token repräsentierten Rechten an Sachen auf DLT-Systemen gewährleistet; Vermeidung einer Rechtekollision und Sicherstellung der Durchsetzbarkeit der jeweiligen Rechte

  • Protektor
    Person/Unternehmen, welches Token auf DLT-Systemen im eigenen Namen für fremde Rechnung hält; treuhänderische Verwahrung

  • Wechseldienstleister
    Person/Unternehmen, welches gesetzliche Zahlungsmittel (Fiat) gegen Zahlungstoken (und umgekehrt) sowie Token gegen Token tauscht; Offenlegung aktueller Verkaufspreise

  • Prüfstelle
    Person/Unternehmen, welches die Geschäftsfähigkeit (insbesondere das Alter) und die Voraussetzungen bei der Verfügung über einen Token prüft; softwarebasiert möglich

  • Preisdienstleister
    Person/Unternehmen, welches Nutzern von DLT-Systemen aggregierte Preisinformationen auf Basis von Kauf- und Verkaufsangeboten oder abgeschlossenen Transaktionen zur Verfügung stellt

  • Identitätsdienstleister
    Person/Unternehmen, welches den Verfügungsberechtigten eines Token identifiziert und in ein Verzeichnis aufnimmt

Zwar erhebt die Klassifizierung des liechtensteinischen TVTG keinen Anspruch auf Vollständigkeit, umfasst aber dennoch die wichtigsten Rollen einer DLT-basierten Token-Ökonomie und rückt den hochspezialisierten Charakter solcher Unternehmungen in den Vordergrund. Folglich dürfte klar sein, dass weitere Unternehmen mit DLT-spezifischen Geschäftsmodellen – Advisory, Steuerberatung etc. – ebenfalls als DLT-Dienstleister klassifiziert werden können.

Chancen und Risiken strategischer Partnerschaften

Zentrales Element strategischer Partnerschaften ist das Erreichen eines gemeinsamen Ziels durch Zusammenlegung der jeweiligen Stärken – wie bspw. das Andocken neuer Technologie von Fintechs an die Infrastruktur von Banken zeigt. Die Grösste Chance einer Allianz ist damit die Sicherung von Wettbewerbsvorteilen durch neue Produkte und Services und dies zumeist auf zukünftigen Märkten. Strategische Allianzen liefern damit u.a. Wettbewerbsstrategien zur Kostenführerschaft und Differenzierung.

Generell liegen die Chancen einer strategischen Partnerschaft auch in der Reduktion von Eintrittsbarrieren bzw. einem schnelleren Markteintritt, wobei damit oftmals auch die Erschliessung neuer Kundensegmente und Distributionskanäle einhergeht – unzureichende Marktkenntnis, fehlende Kontakte oder mangelnder Vertrieb lässt sich so umgehen. Neben dem Zeitfaktor ergeben sich hier wiederum Kostenvorteile, da dank des Partners z.B. keine eigene Technologie oder Infrastruktur angeschafft bzw. entwickelt werden muss.

Insgesamt ergibt sich durch den Partner in einer Markteintrittssituation auch eine gewisse Risikoreduktion. Im Zuge der Differenzierung können strategische Partnerschaften zudem zur Schaffung von Qualitäts- und Servicevorteilen beitragen oder – wie bei DLT-basierten Finanzdienstleistungen – zu Produkten und Services, die es so bisher nicht gab, wie bspw. die Ausgestaltung eines Zertifikats als klassisches Wertpapier und Token.

Abseits der Produktebene kann eine öffentlich verkündete Partnerschaft zudem eine Differenzierung auf der Markenebene ermöglichen, die alleine nicht oder nur mit starkem Marketingaufwand realisierbar wäre; so liegt es auf der Hand, dass klassische Banken durch Kooperation mit Blockchain-Fintechs schnelle Image-Wandel herbeiführen können.

Gerade in Bezug auf den jungen Markt für DLT-Finanzdienstleistungen und das stärkere gemeinsame Innovationspotenzial bieten strategische Partnerschaften zusätzlich die Chance, als First-Mover aufzutreten und/oder den Markt von Beginn an aktiv mitzugestalten. Betrachtet man demgegenüber die – oftmals gesättigten –  Hauptgeschäftsfelder von Banken wie das Hypothekargeschäft und die zunehmende Regulierung im Umgang mit Retailkunden, so können Banken durch strategische Allianzen solchen strukturellen Veränderungen entgegenwirken.

Demgegenüber stehen vielfältige Herausforderungen, welche aufgrund ihrer eingangs erwähnten Komplexität erhebliche Risiken bergen. So kann es während der Partnerschaft grundsätzlich zu einer Interessensverschiebung kommen, wodurch sich die strategischen Ziele verändern bzw. sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln – dabei reicht in einigen Fällen bereits ein neues Management. Hinzukommt der Koordinationsaufwand einer Partnerschaft, der mit einem erheblichen Zeitaufwand einhergeht und dessen Ressourcen gesichert sein müssen. Ebenso kann es passieren, dass ein Partner mit dem neu erlangten Know-how beschliesst, das Geschäftsfeld selbstständig zu bearbeiten. Mangelndes Vertrauen, die starke Dominanz eines Partners, Fehlentscheidungen oder zu grosse kulturelle Unterschiede – insbesondere zwischen klassischen Banken und DLT-Dienstleistern – stellen weitere Herausforderungen dar. Eine strategische Partnerschaft benötigt auf der operativen Seite des Weiteren eine gewisse Eigendynamik, um erfolgreich zu bestehen und involvierte Mitarbeiter zu motivieren – andernfalls verliert diese an Wertigkeit. Regulative Änderungen – wie sie insbesondere auf dem Markt für Kryptowährungen schnell möglich sind – können zudem dazu beitragen, dass eine strategische Allianz schlimmstenfalls keinen Sinn mehr ergibt. Vom fehlenden Kundenbedürfnis für DLT-basierte Finanzdienstleistungen ist dabei noch gar keine Rede.

ChancenRisiken
– Wettbewerbsvorteile
– Erschliessung neuer Märkte/Kunden
– Reduzierte Eintrittsbarrieren
– Neue Distributionskanäle
– Kostenvorsprung
– Stärkere Marktstellung
– Lerneffekt
– Risikoreduktion
– Höhere Innovationsfähigkeit
– Veränderte Markenwahrnehmung
– Komplexität
– Divergierende Interessen
– Managementwechsel
– Fehlentscheidungen
– Ressourcenaufwand
– Dominanz
– Kultureller Graben
– Erschöpftes Potenzial
– Mangelnde Motivation
– Regulierung
– Fehlendes Kundenbedürfnis

Strategische Partnerschaften in der Realität: DLT meets classic finance

Gemäss Adrian Keller, Partner und Leader Audit for Blockchain von PwC Schweiz, dürften in fünf Jahren mindestens 50% der Finanzprodukte digital sein – die Blockchain-Technologie könnte ein wichtiger Teil davon sein. In den letzten drei Jahren haben Banken global eine Billion US-Dollar in deren Digitalisierung investiert und diese Ausgaben werden wohl auch zukünftig nicht weniger. Profiteure von solchen Investments sind oft Fintechs und IT-Dienstleister und damit neuerdings auch DLT-Unternehmungen. Die in Zug ansässige CV VC AG führt in Partnerschaft mit PwC Schweiz quartalsweise eine Auswertung von in der Schweiz und Liechtenstein ansässigen Blockchain-Dienstleistern durch, welche zeigt, dass sich trotz der prekären Marktsituation von Kryptowährungen 2018/2019 neue DLT-Dienstleister etablierten, u.a. auch im Finanzbereich. Nebst der Schweiz und Liechtenstein, findet man auch in Deutschland und Österreich eine steigende Anzahl an Blockchain Start-Ups, wobei Berlin und Frankfurt die beiden Epizentren der deutschen Blockchain Community sind.

Case Study I: Fidor Bank – Kraken

Fidor

Die Fidor Bank bezeichnet sich selbst als älteste Fintech Bank und bietet nebst klassischen Bankdienstleistungen wie Kontoführung und Bereitstellung von Debit- und Kreditkarten auch Investments in Kryptowährungen. Als Fintech Bank ist Fidor prädestiniert für neue Dienstleistungen im Blockchain-Bereich und hatte bereits 2013 eine Partnerschaft mit Kraken (Payward Inc.) bekanntgegeben. Fidor-Kunden wird die Möglichkeiten geboten, direkt in virtuelle Währungen zu investieren und diese über die Bankplattform zu handeln. Durch eine API können zudem Krypto-Wallets direkt über die Plattform angebunden werden. Da Fidor offen gegenüber Krypto-bezogenen Transaktionen und Geschäftsmodellen ist, bietet sie für konforme Kryptobörsen und seriöse ICO-Unternehmungen Bankkonten an.

Kraken (Payward, Inc.)

Die in San Francisco (USA) ansässige Payward, Inc., besser bekannt als Kraken, ist eine der weltweit grössten Kryptobörsen und weist eines der höchsten Handelsvolumen aus. Gut 35% des gehandelten Volumens wird in Euro grösstenteils über die Fidor Bank abgewickelt. Krakens Erfolgsgeschichte geht bis ins Jahr 2011 zurück, dabei war sie im Gegensatz zu anderen Kryptobörsen nie mit einem wirklichen Skandal konfrontiert.

Umfang der Partnerschaft

Durch den direkten Anschluss von Kraken an Fidor profitieren Fidor-Kunden von einer schnellen Abwicklung und Verarbeitung ihrer Kryptowährungen und dürfen auf eine regulierte deutsche Bank vertrauen. Im Gegensatz zu den meisten Allianzen zwischen Banken und DLT-Dienstleister liegt der Fokus von Fidor im Retail-Kundengeschäft.

Analyse der Partnerschaft

Fidor und Kraken profitieren beide von der Partnerschaft, wobei Fidor neue Produkte anbieten kann und somit die Chance erhält, neue Kunden zu gewinnen. Kraken hingegen profitiert von einem erhöhten Handelsvolumen über ihre Plattform und von dem positiven Ruf einer Partnerschaft mit einer deutschen Bank. Dadurch erhält Kraken eine stärkere Marktstellung gegenüber Institutionellen Investoren.

Aufgrund der Partnerschaft mit einer vollregulierten Bank kann es zu komplexen technischen Problemen kommen, wie z.B. Probleme mit der API Schnittstelle und der Datenschutzverordnung. Zudem gibt es in einer Partnerschaft stets einen dominanteren Player, wobei diese Position meistens die Bank einnimmt. Zudem kann eine zukünftige Regulierung von Kryptobörsen die Partnerschaft beeinflussen – dies jedoch negativ und positiv.

Medial wurde die Allianz grösstenteils positiv aufgefasst und durch die frühe und in der Krypto-Welt bereits lange Zusammenarbeit hat sich diese auch bewährt. Abbildung 2 zeigt die Chancen und Risiken der Partnerschaft stichwortartig auf.

ChancenRisiken
– Wettbewerbsvorteile
– Erschliessung neuer Märkte/Kunden
– Reduzierte Eintrittsbarrieren
– Neue Distributionskanäle
– Stärkere Marktstellung
– Veränderte Markenwahrnehmung
– Komplexität
– Divergierende Interessen
– Dominanz
– Regulierung

Case Study II: Vontobel – Taurus

Vontobel

Die Bank Vontobel ist ein Traditionshaus mit Hauptsitz in Zürich und besitzt zudem 26 globale Standorte. Der Fokus liegt im Wealth und Asset Management sowie im Investment Banking und beinhaltet bereits seit mehr als zwei Jahren Produkte und Services für digitale Vermögenswerte. Nebst BTC-Zertifikaten offeriert Vontobel Zertifikate auf Litecoin, Bitcoin Cash, Ether und Ripple. Zudem können Institutionelle Anleger über Vontobel als Depotstelle direkt digitale Assets handeln und übertragen.

Taurus

Die in Genf ansässige Taurus Group AG wurde 2018 gegründet und ist auf digitale Assets und Blockchain-Lösungen spezialisiert. Angeboten werden drei unterschiedliche Produkte, respektive Dienstleistungen:

  • Taurus-Trade: Brokerage digitaler Vermögenswerte
  • Taurus-Invest: Digital Asset Investmentlösungen
  • Taurus-Protect: Enterprise-Grade Digital Assets Cold Storage-Lösung für Banken, Vermögensverwalter und Börsen

Geplant ist, zukünftig auch Finanzdienstleistungen selbst anzubieten. Taurus besteht aus einem kleinen Team von Experten und wurde anhand der damals nicht vorhandenen professionellen Verwahrlösung für Finanzdienstleister gegründet. In der Zwischenzeit kann Taurus bereits einige Banken als ihre Kunden bezeichnen, u.a. Vontobel.

Umfang der Partnerschaft

Die Partnerschaft zwischen Vontobel und Taurus fokussiert sich auf die sichere Verwahrung von digitalen Vermögenswerten. Vontobel als Depotbank bietet die Dienstleistung ihren Kunden an und vertraut wiederum auf die technische Lösung des Genfer Start-Ups.

Analyse der Partnerschaft

Als traditionelle Bank ist Vontobel durch ihre Digitalstrategie ein Risiko eingegangen, bestehende Kunden anhand des Markteinstiegs in die Kryptowelt zu verlieren. Taurus als junges Unternehmen in einer schnelllebigen Industrie konnte mit Vontobel gleich zu Beginn einen wichtigen und prestige-trächtigen Partner gewinnen. Vontobel minimiert das Risiko durch das fehlende interne Knowhow und kann gleichzeitig ihre Innovationsfähigkeit steigern. Durch die Dienstleistung(en) von Taurus kann Vontobel neue Märkte erschliessen und verhältnismässig früh von Wettbewerbsvorteilen profitieren. Der Einfluss einer potenziellen Regulierung von bestimmten DLT-Dienstleistungen ist enorm schwierig abzuschätzen, könnte jedoch positive wie auch negative Schlussfolgerung mit sich ziehen.

Taurus als Storage-Provider für digitale Vermögenswerte könnte zukünftig durch die unterschiedliche Kultur welche eine traditionelle Bank und ein Start-Up haben auf Konflikte stossen. Zudem gibt es auch wie in der vorigen Partnerschaft eine dominantere Partei, welche in diesem Fall wiederum die Bank darstellt. Da ein Managementwechsel bei einer Bank in der Grösse von Vontobel stets möglich ist, lässt sich nicht ausschliessen, dass die DLT-Dienstleistungen eingestellt werden.

Einige Medien waren zwar erstaunt über die Partnerschaft, der Schritt in Richtung neue digitale Produkte war anhand Vontobels Strategie jedoch abzusehen.

ChancenRisiken
– Wettbewerbsvorteile
– Erschliessung neuer Märkte/Kunden
– Stärkere Marktstellung
– Risikoreduktion
– Höhere Innovationsfähigkeit
– Veränderte Markenwahrnehmung
– Komplexität
– Divergierende Interessen
– Managementwechsel
– Dominanz
– Kultureller Graben
– Regulierung

Case Study III: Swissquote – Crypto Storage

Swissquote

Die Schweizer Swissquote Holding AG hat sich zum Ziel gesetzt, die weltweit fortschrittlichste und intuitivste Online-Bank zu sein. Seit der Gründung von Swissquote im Jahr 2000 konnte sich die vollregulierte Bank stark weiterentwickeln und gilt heute als Marktführerin der Online-Banken in der Schweiz. Swissquote bietet nebst Trading, Forex und Robo-Advisory auch Hypotheken und Kredite mit Partnern wie der UBS oder der Basel Landschaftlichen Kantonalbank (BLKB) an.

Swissquote ist seit 2017 aktiv im Kryptomarkt tätig und arbeitet zwecks Handel mit Bitstamp als Liquidationsprovider zusammen. Bitstamp ist global tätig und gilt als eine der grössten und seriösesten Kryptobörsen aus Europa. Daneben ist Swissquote im März 2019 mit der Zuger Crypto Storage AG eine Partnerschaft eingegangen, welche Kunden die Möglichkeit eröffnet, Kryptowährungen von externen Wallets an ihr Swissquote Konto zu transferieren. Insbesondere für institutionelle Kunden ist eine Handelsplattform und Depotstelle für Kryptowährungen von hohem Interesse, da sie anhand dieser auch Kryptoprodukte vertreiben können.

Crypto Storage AG

Die Crypto Storage AG ist Teil der Crypto Finance AG und spezialisiert auf die sichere Verwahrung von digitalen sowie physischen Private Keys. Nebst der Crypto Storage AG umfasst die Gruppe zwei weitere DLT-Dienstleistungsgesellschaften:

  • Crypto Broker AG (Handel)
  • Crypto Fund AG (Asset Management)

Crypto Broker ermöglicht ein 24/7-Crypto-Trading und arbeitet eng mit Finanzintermediären zusammen. Die Crypto Fund AG fokussiert sich hingegen auf Crypto Asset Produkte, wobei sie bei Fonds als Portfolio Manager agieren. Die Crypto Finance AG wurde Mitte 2017 gegründet und verfolgt das Ziel, hochwertige DLT-Finanzdienstleistungen für institutionelle Kunden anzubieten. Durch den rapiden Wandel des Kryptomarktes und der DLT-Industrie werden laufend neue Produkte und Dienstleistungen hinzugefügt.

Umfang der Partnerschaft

Swissquote als etablierter Player im Schweizer Finanzplatz nutzt die Dienstleistung von Crypto Storage um ihren Kunden eine breitere Palette an Produkten anbieten zu können. Als digitale Bank setzt Swissquote auch auf digitale Werte welche durch die externe sichere Lösung von Crypto Storage angeboten wird.

Analyse der Partnerschaft

Auch zwischen den beiden Unternehmungen Swissquote und Crypto Storage ergeben sich neue Chancen für bestehende Dienstleistungen der jeweiligen Parteien. Swissquote erschliesst durch die Partnerschaft mit dem Schweizer Fintech neue Märkte und erhofft sich damit Wettbewerbsvorteile. Crypto Storage hingegen gewinnt einen neuen Distributionskanal und profitiert von der volumenstarken Swissquote. Im Gegensatz zu anderen Allianzen fällt der kulturelle Graben in dieser Partnerschaft aus. Dies resultiert aus der Offenheit von Swissquote und der Erfahrung im traditionellen Markt der Mitarbeiter der Crypto Storage AG. Medien berichten auch hier grösstenteils positiv, was bestimmt auch mit dem professionellen Auftreten beider Unternehmungen zusammenhängt.

ChancenRisiken
– Wettbewerbsvorteile
– Erschliessung neuer Märkte/Kunden
– Neue Distributionskanäle
– Stärkere Marktstellung
– Risikoreduktion
– Komplexität
– Dominanz
– Fehlendes Kundenbedürfnis

Case Study IV: Bank Frick – Crypto Finance AG

Bank Frick

Bank Frick ist eine unternehmerische Bank mit Hauptsitz in Liechtenstein und setzt auf Dienstleistungen für Finanzintermediäre und Kunden der Blockchain-Industrie. Die Bank besteht aus drei Frontbereichen:

  • Firmenkunden mit DLT-Fokus
  • Privatkunden und Institutionelle Kunden im traditionellen und digitalen Markt
  • Funds & Capital Markets

Im DLT-Bereich bietet Bank Frick Konten und Wallets für Blockchain-Unternehmung an (z.B. Mining Unternehmungen, Kryptobörsen, Token Offerings), auch vermögende Privatkunden und institutionellen Kunden profitieren von dem Angebot. Die Verwahrung der privaten Schlüssel wird mit einer bankinternen Lösung sichergestellt. Der eigene Crypto Trading Desk arbeitet hingegen mit unterschiedlichen Brokern zusammen. Zusätzlich bietet Bank Frick mit Partnern diverse strukturierte Produkte an und tritt diesbezüglich meistens als Depotstelle auf. Auch in der Tokenisierung von traditionellen Anlagen ist die liechtensteinische Bank tätig. Mit dem breiten Angebot an DLT- Dienstleistungen nimmt Bank Frick eine Vorreiterrolle im Blockchain-Banking ein.

Crypto Finance AG

Die Tätigkeiten der Crypto Finance AG werden bereits in der Partnerschaft zwischen Swissquote und Crypto Storage genauer beschrieben.

Umfang der Partnerschaft

Bank Frick greift auf die ganze Angebotspalette der Crypto Finance AG zurück und nutzt aktiv die Brokerage Dienstleistungen für den Handel von digitalen Werten. Die Crypto Fund AG und die Crypto Storage AG werden hauptsächlich im Zusammenhang mit einigen der aufgesetzten Fonds benötigt, wobei Bank Frick als Depotstelle ihre Dienstleistungen anbietet.

Analyse der Partnerschaft

Die Zusammenarbeit bei unterschiedlichen DLT-Produkten und -Services zwischen Bank Frick und Crypto Finance geht ins Jahr 2017 zurück. Bank Frick erhielt durch die Zusammenarbeit eine stärkere Marktstellung und konnte über die Jahre von einem Lerneffekt profitieren. Neue Distributionskanäle ergaben sich durch die Fonds und die Markenwahrnehmung wurde gesteigert – dies gilt für beide Parteien. Auch hier kann sich die Komplexität der Abwicklung und die technischen Hürden als problematisch darstellen.

In der Medienlandschaft sind beide Unternehmungen etablierte Namen und werden grösstenteils in einem positiven Zusammenhang erwähnt.

ChancenRisiken
-Wettbewerbsvorteile
– Erschliessung neuer Märkte/Kunden
– Neue Distributionskanäle
– Stärkere Marktstellung
– Lerneffekt
– Risikoreduktion
– Veränderte Markenwahrnehmung
– Komplexität
– Ressourcenaufwand
– Dominanz



Weitere interessante Partnerschaften

Raiffeisen und Daura

Raiffeisen Schweiz ermöglicht KMUs durch die Partnerschaft mit Daura deren Aktienregister digital auf die Blockchain zu bringen. Raiffeisen als eine der grössten Schweizer Banken setzt damit auf einen neuen DLT-Dienstleister, welcher wiederum von Swisscom und Luka Müller (Partner bei MME, eine Rechtsanwaltskanzlei und Pionierin für Blockchain Unternehmungen) gegründet wurde. Durch die technische und rechtliche Unterstützung der beiden Partner hat Daura bereits mehrere Kunden gewinnen können. Prominente Kunden sind die Weisse Arena Gruppe oder Sygnum, welche im Prozess um eine Schweizer Banklizenz ist.

Falcon Private Bank und Tokengate.io

Die Falcon Private Bank und Tokengate.io, ein Tochterunternehmen von Inacta, einem schweizerischen Technologieunternehmen, bieten durch ihre Partnerschaft ausgewählten Token Offering Unternehmungen Bankkonten an. Bis anhin sind noch keine Use Cases von den beiden Partnern bekannt. Tokengate ist eine Token Offering Plattform, welche die Registration von Investoren, die technische Aufsetzung und die Verteilung der jeweiligen Tokens übernimmt. Um die Korrektheit der Identität der Investoren zu überprüfen, setzt Tokengate auf die Dienstleistungen eines externen KYC-Spezialisten.

Hypothekarbank Lenzburg und TokenSuisse

Wie auch bei der Fidor Bank handelt es sich bei der Hypothekarbank Lenzburg um eine Universalbank mit starkem Fokus auf digitale Produkte und Dienstleistungen. TokenSuisse hingegen berät ihre Kunden in Krypto-Investment-Fragen und bietet diese Dienstleistungen auch Dritten an. Durch das Knowhow und das Netzwerk des Teams von TokenSuisse kann die Hypothekarbank Lenzburg ihren Fokus auf die Weiterentwicklung ihrer DLT-Dienstleistungen setzen.

Ein knappes Fazit

Grösstenteils wird deutlich, dass jene Partnerschaften einen Mehrwert bieten und somit als sinnvoll erscheinen. Trotz den bestehenden Risiken, wobei hier die Komplexität der Technologie als Hauptkriterium gilt, übertrumpfen die Chancen potenzielle Gefahren. Des Weiteren kann gesagt werden, dass bei möglichen Problemen jeweils die weniger dominante Partei als Verlierer hervorgeht. In den aufgezeigten Partnerschaften wären dies die nicht regulierten DLT-Dienstleister – bei steigender Kundenbasis und zunehmender Marktkapitalisierung kann sich dies jedoch zukünftig ändern. Medien fassen Partnerschaften zwischen traditionellen Marktteilnehmer im Finanzbereich und DLT-Dienstleister zudem deutlich positiver auf als noch zu Beginn des Blockchain-Hypes.

Author(s)

Fabio Tomaschett

Fabio Tomaschett has been part of Bank Frick since 2017 and is heading the Token Offering team within the Fund an Capital Markets department for the past two years. After starting his career at a Swiss bank, he studied tourism with a focus on e-commerce which brought him back into the banking industry to Bank Frick.

Felix Saible

As Senior Analyst & Strategist at Bank Frick Felix Saible is responsible for the strategic direction of digital communications, digital analytics and reputation management. After studying Economics with a focus on Banking & Finance, he focused on Terrorism Studies and obtained a Joint-Degree Master’s degree from the Universities of Zurich, Basel and Lucerne.

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